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Der ungarische Reichstag.
(3. Kap«
gebung, der Besteuerung und dem Substdienwesen. Der Reichstag zer-fiel in zwei Kammern, die Tafel der Magnaten und die Tafel der Stände.An der Magnatentafel saßen die sünsunddreißig Erzbischöfe und Bischöfeder katholischen, der Bischof der griechischen Kirche, die vierzehn hohenStaatsbeamten, die zweiundfunfzig Statthalter der Bezirke, die Fürsten,Grafen und Freiherren des Reichs. Die Ständetafel bestand aus den Ab-geordneten der Comitate, der königlichen Freistätte, der privilegirtenDistrikte, der Stellvertreter der abwesenden Prälaten und Magnaten, wieder Magnatenwitwen. Siebenbürgen hatte seinen eigenen Landtag undnur Eine Kammer. Die Comitatsabgeordneten waren von den Instruktionenihrer Wähler so abhängig, daß ste sofort zurückgerufen werden konnten,wenn ste dagegen stimmten. Daher behaupteten die Comitatsversammlungeneine so ungemeine Wichtigkeit und endigten fast immer mit einem blutigenScharmützel der einander entgegenstehenden Parteien. Die Magnaten-tasel verhandelte in lateinischer, die Ständetafel in ungarischer Sprache.Der Edelmann genoß eine Menge Vorrechte, die fich auf die GoldeneBulle Andreas' 11.(1222) zurückführen lassen. Dafür hatte der Adel blos der„Insurrektion" oder dem Aufgebot in Masse Folge zu leisten, eine Pflicht,die in neuerer Zeit dahin abgeändert wurde, daß Ungarn ein National-Heer von 60,000 Mann unterhielt. — Zu dem Adel gehörten auch diefünfzig königlichen Freistätte, insofern jede als Corporation reichstagsfähigwar. Im Ganzen sollen in Ungarn 784,527 Stimmberechtigte vorhan-den gewesen sein. Die Leibeigenschaft des Bauern ist 1785 von Joseph II.aufgehoben worden. Das Urbarium Maria Theresia's wurde durch dieReichstage von 1832 und 1836 abgeändert und durch übereinstimmendenBeschluß beider Tafeln zu einem Reichsdecret. Der Bauer war nicht mehran die Scholle gefesselt, mußte aber gewisse Robotdienste leisten und Grund-zins an Geld und Naturalien zahlen, konnte jedoch Beides ablösen. DieMilitaircontributionen lasteten allein auf dem Bauernstande.
Graf Stephan Szechenyi war es, der die ersten Reformenanregte und dem magyarischen Element das Uebergewicht zu verschaffensuchte. Nachdem er durch Begründung der Wettrennen und des PestherCafinos einen Vereinigungspunkt für den Adel geschaffen hatte, bewog erdenselben, die Donaudampfschifffahrt in die Hand zu nehmen (1830) undBuda-Pesth durch eine Kettenbrücke zu verbinden, aus der der Adelige, wieder Bauer Brückengeld zahlte. Neben Szschenyi wirkten Wesselenyi —Mitglied des fiebenbürgischen und ungarischen Landtags zugleich, Teleki,Kossuth, DeLk, Balogh u. A>, am Reichstage und bekämpften in gemäßig-ter Weise die Regierung. Die Reform - und Sprachfrage wurde zuerstvon Szechenyi 1830 angeregt. Daraus sehen wir jedes Jahr neue Re-formen anbahnen. Die Ständetasel wollte sogar die Bitte der Städte