3. Kap.)
Greuelscenen in Galizien.
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Beste handelte. Ein Versuch der Regierung, die Verwaltung der Comitatezu heben, indem sie statt der Obergespane, welche sich ihr Amt sehr leichtmachten, Administratoren ernannte, fand heftigen activen und passivenWiderstand. Am 13. Januar 1847 starb der Erzherzog Palatin Jo-seph und ihm folgte sein Sohn, der Erzherzog Stephan.
In Galizien, wohin die Krakauer Insurgenten die Revolutiongetragen hatten, trat ein merkwürdiger Riß im polnischen Volke hervor(1845—1846). Während man bisher Galizien für ein rein polnischesLand zu halten gewohnt war, erinnerte sich die Regierung im Augenblickjenes gefährlichen AufstandeS, daß die katholischen Polen nur Eindring-linge in Galizien seien, und erst Kasimir III. Lemberg unterworfen habe.Die Urbewohner Galiziens sind theils Ruthenen oder Rothruffen (Russinen),theils Kleinrussen, verwandt mit den Kosaken, und, wie diese, vonKonstan-tinopel aus zum Christenthum bekehrt. Die zwölf östlichen Kreise Gali-ziens werden von Ruthenen in einer dichten, zusammenhängenden Massebewohnt, während die übrigen Volksstämme zerstreut wohnen, ausgenommendas westliche Gebiet, wo polnische MasureU massenweise leben. Die sieg-reichen Polen suchten das Volk zu polonisiren, was aber nur beim ruthe-nischen Adel gelang, der von der griechischen zur katholischen Kirche über-ging und polnische Sprache und Sitte annahm. Er zeigte sich ebensoselbstsüchtig, als der bosnische Adel, der zum Islam übertrat und dafürdie Leibeigenschaft seiner christlichen Bauern von den türkischen Sultanengewährleistet erhielt. Die Masse des Volkes in Galizien blieb der väter-lichen Sprache und Religion treu, wurde verfolgt und zu Leibeigenen ge-macht. Die Mishandlung der Ruthenen Seitens der Polen und der krän-kende Hohn, mit welchem die Jesuiten den Glauben derselben behandelten,hat nicht wenig zum Untergang Polens beigetragen. Die Ausständevon 1793— 1830 fanden im galizischen Volke keine Theilnahme. Dieösterreichische Regierung that schon früher einiges, um die leibeigenen Bauerngegen die Bedrückungen und Grausamkeiten ihrer Herren zu schützen;jetzt, als der polnische Adel die sonst wachsame österreichische Regierungvon allen Seiten überfiel (1845), gerieth sie aus den Gedanken, den Na-tionalitätenkampf zu entzünden, um, wie sie es mit Glück in Ungarn ge-than, auch hier ein Gegengewicht gegen die Polen zu schaffen. Diese Be-günstigung der Ruthenen stellte in den östlichen Kreisen die Ruhe baldwieder her, während in den westlichen die Bauern über die Edelleute,die sie zum Aufstande verführen wollten, herfielen und sie grausam er-mordeten. Ja sie schonten nicht Weiber, Kinder und Greise, zerstörtendie Schlösser des Adels und verwüsteten sein Eigenthum. Man hat diesegräßlichen Ausbrüche roher Volkswuth den Aufreizungen der österreichi-schen Beamten zugeschrieben. In der That hatte der Kreishauptmann zu
Weltgeschichte. III, Itz