Band 
(1815 - 1854)
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Greuelscenen in Galizien.

s3, Kap.

Tarnow ohne hinreichende Militairunterstützung und das Schwierige sei-ner Lage erkennend, die sämmtlichen in der Stadt anwesenden Bauernauf dem Markte versammelt, dieselben dort kräftig angeredet und sie zuüberzeugen gesucht, daß der Adel sie verführe, um ihre Unterstützung lediglichzu seinem Vortheil zu benutzen. Er forderte sie auf — so berichtete diepreußische Allgemeine Zeitung — der Regierung treuzubleiben undihr zu vertrauen, für weichen Fall er ihnen jeglichen Schutz, sowieeine Belohnung von zehn Gulden Münze für jeden Empörer versprach,welcher mit den Waffen in der Hand ergriffen und todt oder lebendigeingebracht werden würde. Mit Jubel nahm das Volk die Rede aus,und verrichtete jene haarsträubenden Greuelscenen. Man darf hierbeijedoch nicht vergessen, daß die Regierung im Stande der Nothwehrwar und solche Ausschweifungen der Bauern gewiß nicht erwartet hat.Falsch ist es aber auch, daß die polnischen Emissäre den Bauern-krieg entzündet hätten, als sie sahen, daß die Adelsrevolution miß-glückte. Die österreichische Regierung hatte nachher Mühe, die Bauernzu beschwichtigen. Dieselben verlangten nämlich die Aufhebung der Frohn-den und Robote, und wußten sich unter Szela'S Anführung selbst derRegierung furchtbar zu machen. Am Ende mußte diese das Standrechtproclamiren und Szeia unter polizeiliche Aufsicht stellen; dieser erhielt jedochspäter die goldene Verdienstmedaille. Am 31. Juli 1847 wurden zweiHaupturheber des polnischen Ausstandes, Th. Wisniowskt und Joh. Ka<puscinski, in Lemberg gehängt. Die weibliche Bevölkerung zeigte sich fürdiese Unglücklichen voll Theilnahme und hatte alle Straßen, durch welchesie ihren letzten Gang machen sollten, mit Blumen bestreut.

Die polnische Verschwörung scheint auch in Böhmen Verbindungengehabt und überhaupt eine allgemeine Erhebung der Slaven beabsichtigtzu haben. Die czechischen Bauern in Böhmen, wie die wendischen inKärnthen und Kram legten eine gereizte Stimmung gegen die Deutschenan den Tag. Der Erlaß eines Patents, betreffend die Zehnt- und Frohn-ablösung, gab zu manchen Irrthümern Veranlassung, indem die Bauernmeinten, die Zehnten und Frohnden seien ganz aufgehoben. Die Hun-gersnoth von 1847 wüthete auch in Galizien und Böhmen in entsetz-licher Weise. So verbanden sich politische, nationale und materielle Auf-regung, um in Oesterreich das Schreckensjahr von 1848, welches denKaiserstaat mit Zerfall bedrohte, herbeizuführen. Die Treue der Ruthe-nen und Südslaven, welche gegen die Ungarn kämpften und die Polenim Schach hielten, das Gleichgewicht des czechischen und deutschen Ele-ments in Böhmen, endlich das vortreffliche österreichische Heer in Ita-lien retteten den Staat vor dem, wie es damals schien, unvermeidlichenUntergänge.