Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
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281
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3. Kap.s Entwickelung des Skandinaventhums. 281

nen Menschen und seinem zum Theil dürftigen Boden gegen den russischenKoloß schwerlich dauernde Erfolge erringen könnte.

Diese antideutsche Richtung des Skandinavismus zeigte sich heraus-fordernd in den Herzogthümern Schleswig und Holstein, welche mit Dä-nemark verbunden sind, und Rußland begünstigte in diesem Punkte dasSkandinaventhum. Wie die Russen die deutschen Ostseeprovinzen und Polenrussificirten, so fingen die Dänen an, die Herzogthümer Schleswig - Hol-stein zu danisiren, versetzten dänische Osficiere zum deutschen Bundescon-tingent nach Holstein, führten dänisches Commando in der Armee ein undgingen damit um, in den Theilen Schleswigs, wo Dänisch früher herr-schend gewesen, aber durch die deutsche Sprache im Lause der Zeit ver-drängt worden war, das Dänische wieder zur Schul- und Gerichtssprachezu machen. Rußland warf, indem es der Danifirung Vorschub leistete, denErisäpfel zwischen die natürlichen Verbündeten, Deutschland und denskandinavischen Norden, und hoffte vielleicht, nachdem es beide gänzlich ent-zweit hatte, als Vermittler und Garant der dänischen Staatseinheit auf-zutreten , sich den Dank der Skandinaven zu erwerben und endlich seineThronansprüche an Dänemark durchzusetzen.

In Dänemark war das Königshaus im Aussterben begriffen. AufFriedrich VI. (1808-1839) folgte Christian VIII. (1839—1848), welcher nur einen Sohn, den Kronprinzen Friedrich, und einenBruder, Namens Ferdinand, hatte, beide in kinderloser Ehe lebend. BeimErlöschen des Mannsstammes sollte in Dänemark theilweise die cogna-tische, theilweise dagegen, und selbst nach dänischen Ansichten, wenigstensin einem Theil von Holstein, die agna tische Erbfolge eintreten. DieHauptschwierigkeit lag nun in Schleswig, das von uralter Zeit her däni-sches Kronlehen war und nie zu Deutschland gehört hatte. Dennochsollten, nach dem Grundgesetz des Königs Christian'sl. (1460), Schles-wig und Holstein in allen Zeiten eingetheilt bei einander bleiben, undSchleswig seinem Fürsten nie als einem König von Dänemark, sondernals einem Herzog beider Lande huldigen, eine Auslegung, die jedochdänischerseits bcstritten wurde. In Deutschland schwärmte man fürSchleswig-Holstein, da man ein schönes Küstenland mit kräftigen Männernzu gewinnen hoffte. Während die Dänen Schleswig bis zur Eider nichtfahrenlassen wollten, wurde in Deutschland das Lied „Schleswig-Hol-stein meerumschlungen" von Stadt zu Stadt gesungen. Die Dänen beriefensich namentlich auf das Königsgesetz von 1665, (N. Gesch. S. 475)und behaupteten, es habe auch für Schleswig und Holstein Giltigkeit, unddie Privilegien der Schleswig-Holsteinischen Ritterschaft seien keine Landes-sondern nur Standesprivilegien. Die Dänen suchten überhaupt dem Ein-spruch des deutschen Bundes zuvorzukommen und sich in Besitz zu setzen.Alle patriotischen Vereine, Volksversammlungen und Petitionen Schles-