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Zustände in Italien.
j3. Kap.
mistisch ist. Der Geistliche und philosophische Schriftsteller VincenzoGioberti, geboren 1801 in Turin, wo er eine Zeit lang HofkapellanKarl Albert's war, rief die Idee des Guelphenthums wieder aus dem Mo-der und Staube längst vergangener Zeiten, um sie der kaiserlich - österrei-chischen Schutzherrschaft über Italien entgegenzusetzen. Zwar bestandlängst unter den italienischen Fürsten eine Abneigung gegen Oesterreich,dem sie doch 1821 und t830 allein ihre Erhaltung verdankten. Sardi-nien, Modena, Parma, Rom und Neapel hatten schon im vorigen Jahr-zehent einen guelphischen Bund geschlossen; allein dieser Bund suchteseinen Stützpunkt im Sanfedismus. Inzwischen traten die liberalen Ideennoch lebhafter auf, und Gioberti's Guelpheuthum wollte diese Ideen mitdem Papstthum verbinden, und sich dazu des Jesuitenordens bedienen.Gioberti schildert in seinem epochemachenden Werke: „über das fitt-liche und politische Primat der Italiener, 1843", mit glühender Begei-sterung, wie das Papstthum, dem lombardischen Freiheitsbunde verbündet,für Italien jene hehre Glanzzeit herbeiführte, die wegen ihrer Leistungenin Kunst und Wissenschaft, wegen ihres blühenden Gewerbfleißes undHandels, wegen ihres regen Gemeindelebens noch heute von Europa be-wundert werde. Italien stehe noch eine dritte Restauration bevor, wennein ideales Papstthum an die Spitze der Halbinsel treten und in Berück-sichtigung der nationalen Wünsche und Zeitsorderungen das Volkslebenverklären und veredeln würde.
CesareBalbo faßte in seinem Buche „über die Hoffnungen Ita-liens" jene Guelphenidee schon praktischer an. Um Oesterreich aus Italienzu verdrängen, meinte er, sei es nothwendig, der österreichischen Regierungdas Leben schwer zu machen und es den Schmerz der Wunde, die es sei-nem Staatsganzen durch Besitznahme der Lombardei geschlagen, empfin-den zu lassen, damit es Anstalten zum Länderwechsel treffe. Und wo willBalbo Oesterreich entschädigen? An der unteren Donau, mit der Walacheiund Moldau. Dahin sei es gewiesen, um die deutsche Bildung zu denslavisch-romanischen Völkern zu tragen und der Wächter deutscher Inte-ressen gegen Rußlands panslavistische Strcbungen zu sein. Natürlich hängtdamit der Sturz des osmanischen Reichs zusammen. Die Erbitterung,welche damals gegen den Czaren wegen seiner Gräcisirungsversuche unterden Katholiken herrschte, scheint in dieser Schrift widerzuklingen. DerPapst Gregor XVI. hatte sich in dieser betrübenden Angelegenheit mehr-mals an die öffentliche Meinung Europas gewendet. Im Herbst 1845kam Kaiser Nikolaus selbst nach Rom, um eine Ausgleichung mit demPapste zu suchen. Er schien ganz erstaunt über die Beschwerden des hei-ligen Vaters, versprach strenge Untersuchung und willigte sogar in dieAbsendung eines päpstlichen Legaten nach Rußland. Lambruschini soll je-doch das Ergebniß der Conserenzen in den Worten zusammengefaßt haben: