3. Kap.j
Zustände in Italien.
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mußten an den Grenzen des Kirchenstaats Halt machen. Jene geheimeVerbindung, welche der Cardinal Albani zur Bekämpfung der Carbona-ria gestiftet und Sanfediften genannt hatte, kannte weder in ihren ober-sten Spitzen, noch in den untersten Schichten jene heilsame Mäßigung, diemeistens erfolgreicher wirkt, als blutige Strenge. Als Gregor XVI. end«lich dem Treiben der Sanfedisten Schranken setzen wollte, verfiel er in einunglückliches Schwanken. Man hatte durch Männer von absoluter Strengeund Herbheit zu regieren versucht, und mußte sich überzeugen, daß dieUebel wuchsen. Man versuchte populäre Institutionen, wie Gemeinderätheund Aehnliches, und hatte nicht den Muth, ihnen eine fördernde Entwicke-lung zu geben; man sah die Mängel der Gerichtsverfassung ein und mehrtedie Verwirrung, ohne es zu wollen, durch neue Gesetzbücher und die Samm-lung alter päpstlicher Verordnungen. Man wies materielle Forderungender Zeit ab, in die man doch unter Pius IX. willigen mußte, weil dieNachbarländer das Beispiel des Gelingens zeigten.
Etwas besser ging es in den Herzogthümcrn Lucca, Modena undParma her. Neapels König hatte sich zu sehr in seine Militairideen ver-tieft, um für andere Zweige der Verwaltung noch Sinn und Geld zu ha-ben. Besser stand es in Sardinien, das zwar am streng monarchischenSystem festhielt, aber eine gerühmte Rechtspflege, ausgezeichnete Bildungs-anstalten und ein vortreffliches, ehrenhaftes Heer besaß. Am meisten Loberwarben sich Oesterreich im lombardisch-venetianischen Königreich undTos-caua. In beiden Ländern wurden große, theils ungesunde, theils unfrucht-bare Landstrecken entwässert und der Cultur übergeben; schöne Straßendurchschnitten Las Land; kunstvolle Wege führten über die Alpen; Canäleund Eisenbahnen beförderten den Handel, und das unter seinen letztenDogen herabgekommene Venedig blühte durch den Freihafen wieder auf.Die Volksschulen in der Lombardei galten als Muster, und die höherenSchulen und Kunstanstalten Toscanas erfreuten sich eines ausgezeichnetenRufes.
Dennoch herrschte auch hier keine Zufriedenheit. Die gebildetenund vornehmen Stände zogen sich grollend vom Staatsleben zurück undlächelten in stolzer Blasirtheit über die wohlmeinenden Anstrengungendes österreichischen Gouvernements, um die Billigung seiner Unterthanenzu gewinnen. Eine andere, erhabenere, wenn auch weniger praktische Idee,schwebte ihnen vor: Italiens Boden von der Fremdherrschaft zu befreienund, sei es durch die Monarchie, sei es durch die Republik, die Einheitder apenninischen Halbinsel herzustellen. Unklar blieb insofern diese Idee,als die Frage nie im Ernst gestellt wurde, ob Italiens Einheit durch denEinheitsstaat, oder durch den Staatenbund verwirklicht werden sollte.Durch Wort und Schrift wurde für die Reform gewirkt; man darf be-haupten, daß säst die ganze italienische Literatur der neuesten Zeit resor-WrUgMichtr, Hl, Itz