Band 
(1815 - 1854)
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Papst Pius IX.

13. Kap.

gewesen sei. Der Aufstand blieb bei der Theilnahmlostgkeit der Bevölke-rung auf Rinüni beschränkt. Die päpstlichen Truppen unterdrückten ihnrasch; die Gefängnisse und Galeeren füllten sich mit Unglücklichen, Tos-cana aber beförderte cdelmüthig die Geflüchteten nach Marseille.

Gregor XVI. starb den 1. Juni 1846; das Cardinalcollegiumwar von der Nothwendigkeit durchdrungen, den Wünschen der Nationnachzugeben. Schon am 16. Juni ging aus dem Conclave der CardinalMastai Ferretti als Papst Pius IX. hervor. Er machte die WorteMassimoAzeglio's: „Wenn die Fürsten Italiens nicht wollen, daßihre Unterthanen exaltirte Liberale werden, so müssen ste selbst gemäßigteLiberale werden," zum Programm seiner Regierung, und hörte auf dieRathschläge Gioberti's, der damals den Streit mit den Jesuiten ange-fangen hatte, welcher so solgereich für Frankreich werden sollte. In sei-nem bekannten Buche: „Der moderne Jesuit", begründete Giobertiseine Anklage des Jesuitenordens ganz vorzüglich, mag er auch hierund da dem Orden als solchen ungerechterweise Sünden aufbürden.Wenn man die Väter der Gesellschaft Jesu die schlanksten Politiker ge-nannt hat, die sich in alle Verhältnisse zu schicken und ihr Ziel stets zuerreichen wüßten, so lieferten ste damals wieder einen Beleg zu dieser Be-hauptung. Sie lehrten in der Lombardei, daß man sich „der bestehen-den Obrigkeit fügen müsse", gehorsam den in der Bulle „sollioituäosoLlssinrurii" vom 31. August 1831 ausgesprochenen Grundsätzen.Gioberti folgerte aber aus dieser Thatsache, daß die Jesuiten mit Oester-reich zur Unterdrückung Italiens und aller freien Völker verschworen seien.Papst P i u s IX., aus welchen jenes Buch besonders berechnet war, täuschteGioberti's Erwartungen, denn er lobte in einem Schreiben an den be-rühmten Jesuiten Perrone in Rom die Wirksamkeit des Ordens fürdas Wohl der Kirche. Es läßt sich vermuthen, daß dieser Schritt desPapstes Einfluß auf die Aenderung der Ansichten Gioberti's hatte; dennmit dem Beginn der italienischen Revolution 1848 ließ er sein Meister-werk: „Apologie des modernen Jesuiten" erscheinen, worin er, statt desPapstes, dem König von Sardinien das italienische Supremat zuweist.

MastaiFerretti, geboren in Sinigaglia am 13. November 1792,stammte aus einer armen gräflichen Familie, die zur Opposition gehörte.Ein Versuch Feretti's, in die adelige Leibwache aufgenommen zu wer-den, mislang, da er an epileptischen Zufällen litt. Eben dieses Uebel ver-hinderte auch seinen Eintritt in den Priesterstaud. Katholische Blättererzählen, daß Mastai Ferretti nun eine Pilgerfahrt zur heiligen Jungfrauvon Loretto angetreten und unterwegs von dem Priester Strambi auswun-berbare Weise geheilt worden sei. Genug, er beschütt die priestcrliche Lauf-bahn in Rom, begleitete eine südamerikanische Misston, und widmete sichnach seiner Rückkehr ganz den Werken der Barmherzigkeit. Das größte