Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
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293
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3. Kap.)

Papst Plus IX.

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Verdienst erwarb er sich als Präsident der großen Armen- und Versor-gungsanstalt zu San Michaele an der Tiber, die einen Weltruf hat. PapstLeo XU. ernannte ihn dafür zum Bischof von Jmola. Wahrhaft christ-liche Aufopferung bewies er 1836 zu Neapel, wo er päpstlicher Nuntiuswar. Die Cholera hauste fürchterlich; es fehlte an Lazarethen, Aerzten.Arzeneien und Krankenwärtern. Ferretti wurde Neapels rettender Engel.Uni der dringendsten Noth abzuhelfen, verkaufte er seine Equipage, seinSilbergeschirr, seine Meubles und vertheilte den Erlös unter die Armen.Während der Dauer der Krankheit sah man ihn nie anders als zu Fußdurch die Straßen eilen und in jede Hütte treten, wo es einen Krankengab. '„Wenn die Armen unseres Heilands auf dem Straßenpflaster ster-ben/' sagte er. „schickt es sich für seine Diener nicht, in Caroffen daherzu-rollen." JmJahre1840 wurde er Cardinal und ging nach Gregors XVI.Tode als Papst Pius IX. aus dem Scrutinium des Conclave hervor.Die Bevölkerung Roms begrüßte diese Ernennung mit beispiellosem Ju-bel, der sich fast allabendlich erneuerte und den Papst auf seinen Fahrtenüberallhin zu begleiten pflegte. „Lir viva kio nono!" scholl es nichtblos in Rom, sondern in ganz Italien. Pius IX. rechtfertigte die gemä-ßigten Wünsche Italiens. Am 17. Juli 1846 verkündete ein Straßen-placat in Rom, daß der Papst eine allgemeine Amnestie für Staatsver-brechen erlassen habe. Dann folgten rasch hintereinander reformatorischeMaßregeln für die Klöster und für die Presse durch Einsetzung einer Ober-censurbehörde (15. März 1847), was man übrigens sehr kühl aufnahm,für Errichtung einer Bürgergarde, Einführung einer freieren Communal-versassung und einer Art von Repräsentation (19. April), die am 16.November 1847 zusammentrat. Indeß fand auch Pius IX. Widerstand,indem sich manche Legaten weigerten, die Amnestie bekanntzumachcn unddie Sansedisten den Papst geradezu als Schänder und Unterdrücker derReligion verleumdeten. In Cessna und Faenza kam es zwischen den libe-ralen Bürgergarden und dem sanssdistischen Pöbel zu blutigen Reibungen(13. October 1846). Sogar aus dem Staatsrath zogen sich viele conser-vative Cardinäle zurück. Diese Ereignisse trübten die ausgelassene Fest-tagsstimmung der Römer und reizten sie zu Zorn- und Wuthausbrüchen,welche der edle Volksmann Angelo Brunetti (Ciceruacch io) nurmit Mühe dämpfen konnte. Besondere Verdienste erwarb sich Ciceruacchio1847, als die absolutistische Verschwörung entdeckt wurde, indem er dastobende Volk von roher Selbsthilfe abhielt.

Cardinal Lambruschini und andere Satelliten des gregoriani-schen Systems hatten eine schändliche Verschwörung ausersonnen, wobeisie auf alle Diejenigen rechneten, welche unter der jetzigen sparsamen Re-gierung keine Vortheile mehr von der Verschwendung des Hofes ziehenkonnten, auf die ehemaligen päpstlichen Freiwilligen, den römischen Pöbel,