3. Kap.)
Die portugiesischen Kammern.
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von Torres Vedras (22. December 1846), wo Saldanha den GrafenBomfin schlug, ist das wichtigste Ereigniß dieser Bürgerkriege, in denenoft Wochen vergingen, ohne daß ein Schuß abgefeuert wurde. Der Restder Insurgenten nahm theils die englische Vermittelung an, theils streckteer vor den unter Concha einrückenden Spaniern die Waffen. Größer ist dieminder kostspielige und minder blutige Thätigkeit der Junten, hitziger derKampf in den Kammern. In dem Buche des unglücklichen Fürsten Lich-nowski: „Portugal, Erinnerungen aus dem Jahre 1842", findet sich eineinteressante, nach der Natur gezeichnete Schilderung der portugiesischenKammern: „Die portugiesischen Kammern, sowohl die erbliche, als dieelective, sind wahrscheinlich in der Ausübung ihrer Rechte noch zu neu,um sie gehörig zu würdigen, ihre Reden abhobeln, deren Ausdrücke feilen,und von Schmutz und Schlacke befreien zu können. Daher scheint dieKammer oft weniger der Salon einer gebildeten Versammlung, als dieTaverne eines tumultuarischen Clubs; von Sammt und Seide und feinemAuftreten ist hier nicht mehr die Rede, man bewegt sich aus der Gaffe undbewirst sich mit Koth und Pflastersteinen; statt des attischen Salzes ver-brämt man die Reden mit den gröbsten Schimpfwörtern Da sagt einOppositionsmitglied einem Minister der Krone: „Unter Deiner Verwaltungist Alles Concussion und Simonie." Der Minister erhebt sich und schreitdazwischen: „Als Du im Cabinet warst, stahlst Du noch viel toller!" —„Nein," ruft der Andere, „Du bist der größte Dieb!" — Der Präsidentklingelt vergeblich mit aller Kraft seines Armes, Keiner giebt.daraufAchtoder hört des Andern Wort; die Meisten erheben sich, drehen sich um ein-zelne Bänke und peroriren durch einander, während die Galerie, von obenlaut einfallend, dieser Musik accompagnirt. Daß bei einer solchen Zuchtein eifriger und thätiger Rathgeber der Krone nicht immer kaltes Blutbehält, wird Niemand wundern, besonders wenn mau erwägt, daß portu-giesisches Blut in seinen Adern fließt." —
Der größte Staatsmann dieser Periode in Portugal und der ein-zige nach Palmella's Tode (1850) ist Antonio Bernardo daCosta Cabral, Gras v. Thomar, geboren 1803 zu Fornas deAlgo-stra in der Provinz Ober-Beira, aus einer reichen, aber nicht altadeligenFamilie. Er und seine Brüder hatten eine für Portugal ungewöhnlichgute Erziehung genossen, weshalb sie bald in hohe Staatsämter gelaugten.Costa Cabral schloß sich der liberalen Partei an und wurde in TerceiraMitglied des obersten Kriegsraths. Nach dem Siege Dom Pedro's fielihm eine Richterstelle beim Obertribunal in Lissabon zu. Großmeister derportugiesischen Logen, sammelte Costa Cabral die conservativen Elemente,organisirte sie und führte der Regierung eine disciplinirte Schaar treuerAnhänger zu. Bald fand er Gelegenheit, seine Energie auch im Ministe-rium zu erproben, als die Hauptstadt nach der Entsetzung Soares Baldeiras