3. Kap.)
Das Ministerium Saldanha.
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Grenze zu verwenden vorgab. Welches Vertrauen diese oft wiederholte Zu-sicherung genoß, zeigte sich sogleich. Waren die Papiere jedesmal bei Ankün-digung der Eisenbahn gefallen und der Disconto gestiegen, so erreichte letz-terer 1849 die enorme Höhe von 20 p. C. Die Pairs unter Saldanha, wiedie Deputirten unter Silva Cabral, opponirten heftig gegen die Maßnah-men des Ministeriums. Der Credit der Regierung sank so tief, daß dieBank eine Anleihe von 700,000 Thalern verweigerte, welche, unter demVorwande der Ausbesserung alter Landstraßen und der Anlegung neuer,gefordert wurde.
Cabral beraubte sich durch seine antibritische Politik auch der aus-wärtigen Hilfe. Er hatte zur Deckung der laufenden Bedürfnisse englischeWaaren mit hohen Zöllen belegt, was die Interessen der Handeltreiben-den Portugals und Englands empfindlich verletzte. Lord Palmerston er-hob nun im Namen englischer Handelsleute Geldfordernngen, die sichzwar auf einen sehr zweifelhaften Rechtstitel stützten, den portugiesischenMinister aber in Verlegenheit setzten, da er keine Mittel besaß, Gewaltmit Gewalt zu vertreiben. Denn bei einer Seeexpedition nach China,um für die Ermordung einiger Portugiesen Genugthuung zu fordern, warvon den drei kleinen, mit Mühe ausgerüsteten Schiffen, das größte vonzweiunddreißig Kanonen in die Luft geflogen. Dazu hatten die Nordame-rikaner, welche ebenfalls Geldforderungen an Portugal hatten, die Schwächedieses Staates zu deutlich aus Licht gezogen, indem sie drei Schiffe nachdem Tajo sandten und die Bewilligung ihrer Forderungen erzwängen.
Diese schmachvollen Niederlagen des Ministeriums erleichterten esSilva Cabral, die ganze Opposition gegen seinen Bruder zu vereinigen.Die Vorbereitungen zum Ausstande wurden so heimlich getroffen, daß dieRegierung davon erst Kunde erhielt, als der Marschall Saldanha das Mi-litair von Cintra gewonnen hatte (8. April 1851). Die Verschwörungwurde jedoch vou der Regierung unterdrückt; Saldanha befand sich ausder Flucht. Da stand Oporto gegen Cabral auf und nahm den Marschallin seine Mauern auf (27.April); die königlichen Regimentes gingen über;Graf Thomar war schon früher auf einem englischen Dampfschiff entflo-hen. Die Königin enthob ihren Gemahl selbst des Armeebefehls undSaldanha zog, unter lautem Jubel, an der Spitze seines „resormirten"Heeres in Lissabon ein (15. Mai). Er bildete ein Ministerium, welchesden Wahlmodus beschränkte. Die Cortes vom 15. December 1851 be-schäftigten sich mit den Finanzen, die so verkommen waren, daß die Be-amten sich glücklich schätzten, wenn sie die Hälfte ihres kargen Gehaltsempfingen. Die Traubenkrankheit, welche den Süden Europas heimsuchte,verheerte auch die köstlichen Stöcke von Madeira und erzeugte daselbstgroße Noth. Die nach dem octrohirten Wahlgesetz (vom October 1852)berufenen Cortes genehmigten alle dictatorischen Decrete des Ministeriums