3. Kap.) Narvaez's Flucht nach Paris. — Don Juan Prim. 305
wobei alle Truppentheile, die er unterwegs antreffen wurde, unter seinenBefehl gestellt wurden. Narvaez brach sogleich von Medina Celi aus er-reichte Gomez am 25. November 1836 bei Majaccike und schlug ihnvollständig. Diese glänzende Waffenthat lenkte die Augen der Regierungimmer wehr auf den jungen General. Man beauftragte ihn mit der Bil-dung einer Reservearmee, welche den Räubereien der Carlisten in derManch« ein Ende machen sollte. Narvaez schaffte Geld und Mannschaften,indem er die andalustschen Städte für sein Unternehmen begeisterte. Nachvier Monaten gebot er über 12,000 Mann, besetzte die Hauptpunkte undsäuberte die Mancha von Feinden. Triumphirend zog er 1838 in Madridein, wo seine Soldaten allgemeine Bewunderung erregten, denn es warendie ersten, die man seit Jahren wohlgeklcidet und nicht bettelnd gesehenhatte. Schon dachte das Ministerium daran, in Narvaez ein Gegenge-wicht gegen Espartero zu schaffen; dieser schüchterte jedoch das Ministe-rium ein; der Befehl zur Bildung einer neuen Reservearmee von 40,000Mann unter Narvaez wurde zurückgenommen; grollend zog sich letzterernach Loja zurück. Auf der Reise dahin erhielt er eine Einladung des pro-gressistischen Generals Cordova, mit ihm gemeinschaftlich die Präsident,schast einer Junta in Sevilla zu übernehmen, das sich gegen die Regie-rung erhoben hatte. Narvaez folgte der Aufforderung, schwankte aber hinund her, um es mit keiner Partei zu verderben, und öffnete endlich denRegierungstruppen die Thore (1838). Espartero, der die Gedanken Nar-vaez's durchschaute, befahl, den Generalen Cordova und Narvaez denProceß zu machen. Beide ergriffen die Flucht. Narvaez begab sich nachParis. Hier machte er die nähere Bekanntschaft Christinens (1841) undentwarf den Plan, eine Vereinigung der gemäßigten und radicalen Parteizu bewerkstelligen, deren Früchte der ersteren allein in den Schooß fallenmußten. Louis Philipp und Christine stellten Narvaez große Geldsummenzur Verfügung, mit denen er das Haupt einer progressistischcn Fraction,den General Prim, sowie mehrere andere Stabsosficiere bestach.
Don Juan Prim, geboren 1814, ist der Sohn eines spanischenObersten, der in einem catalonischen Dörfchen seinen kümmerlichen Gna-dengehalt verzehrte. Beim Ausbruch des Bürgerkriegs verließ Prim dieRechtswissenschaft, der er sich gewidmet hatte, und trat unter Mina in daschristinische Heer, wo er sich einen Grad nach dem andern erkämpfte.Seine Soldaten schmückten ihn mit dem Beinamen des „catalonischen Cid."Nach Beendigung des Krieges zerfiel die progressistische Partei, welchersich Prim angeschlossen hatte, in mehrere Fractionen. Prim schloß sich deran, welche gegen Espartero den Argwohn hegte, daß dieser sich zum Königmachen wolle. Christinische Ränke nährten diesen Glauben und Prim kamseinem Waffengefährten Narvaez auf halbem Wege entgegen, um die be-absichtigte Schilderhebung der Moderados zu unterstützen. Bei TorrejonWeltgeschichte, III. 20