320 Der Puseyismus, die anglikanische und schottische Kirche. (3. Kap.
schritt und Pusey auf zwei Jahre seiner Aemter enthob, weil er katho-lische Dogmen und Ceremonien vertheidigt hatte. Indeß konnte sichder Puseyismus rühmen, manche Kapacität für sich gewonnen zu haben.So Gladstone, der aus dem Ministerium trat (1845), weil Peel Absich-ten hegte, die Hierarchie der anglikanischen und katholischen Kirche zubeschränken.
In Schottland ist die reform irteKirchedievomStaateaner-kannte Kirche, deren presbyterianische Verfassung an dem Rechte der Ge-meinden. sich ihre Geistlichen wählen zu dürfen, festhält. Eine Parlaments-acte von 1567 bestimmte jedoch, daß der Regierung oder den Gutsherren,die das Patronatsrecht früher geübt hätten, dasselbe verbleiben müsse.Nach dem Gesetz von 1690 hatten die Grundeigenthümer jeder Pfarreidas Präsentationsrecht, die ganze Gemeinde die Wahl. So blieb es bis1711, wo das Patronatsrecht wiederhergestellt wurde, und dem Pres-byterium fortan nur das Recht zustand, einen nichtgeeigneten Pfarrerzurückzuweisen. Gegen dieses Patronatsrecht, das theils vom Staate,theils vom Adel und den Grundeigenthümern ausgeübt ward, erhoben sichstets gewichtige Stimmen, die seit 1824 immer großem Anklang fanden.In diesem Jahre stiftete man nämlich in Edinburg einen Verein, umso viele Patronate als möglich aufzukaufen und den Gemeinden zurück-zugeben. Am 28. Mai 1834 erklärte die Landesfynode, es sei Grund-gesetz der Kirche, daß kein Geistlicher einer Gemeinde gegen den erklärtenWillen derselben aufgedrungen werden könne. Damit dieser Grundsatzzur Geltung gelange, faßte die Landessynode 1835 den Beschluß, daßdie Presbyterien anzuweisen seien, bei der Wiederbesetzung einer Pfarr-stelle die Ansicht der Mehrzahl der männlichen Familienhäupter, hinsicht-lich des anzustellenden Geistlichen, einzuholen; spreche sich die Mehrzahlgegen Letzteren aus, so sei dies als ein hinreichender Grund für die Verwer-fung des Kandidaten anzusehen. Dieser Beschluß heißt die Veto-Acte,und es entstanden jetzt zwei Parteien, von denen die Anhänger der Veto-Acte den Namen „Nonintmsionists oder Nons", die Gegner „Gemä-ßigte" genannt wurden. Die Ersteren waren meist Whigs, die Letzteren To-rtes. Natürlich führte dieses Kirchengesetz zu Conflicten mit der Staats-gewalt. Allein der Entscheid des angerufene» Oberhauses fiel zu Gunstendes Patronatsrechts aus (1838), griff indeß nicht praktisch in die Ver-hältnisse ein, da die Regierung Anstoß nahm, einen Pfarrer einzusetzen,gegen den sich das Presbyterium sträubte. Auch Peel scheute sich vor ent-scheidenden Schritten und sah ruhig zu, wie die Nons, unter denen be-sonders Chalmers hervorragt, Schiffskirchen errichteten und Grund-stücke zum Bau von Gotteshäusern ankauften. Das Parlament, dessenEntscheidung nochmäls provocirt würde, wies die Klagen der Nons ab(7. und 8. März 1843), woraus sich die NonS von der schottischen Staats-