Band 
(1815 - 1854)
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326
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Berryer.

j3. Kap.

Philipp befand sich der Wahlreformfrage gegenüber in gleicher Befangen«heil. „Man hat Karl X. verjagt, weil er die Verfassung vernichtete, mich,weil ich sie erhielt!" soll sein erstes Wort auf englischem Boden gewesensein. Allein Karl X. fiel, weil er eine beliebte Verfassung umstürzen,Louis Philipp, weil er eine verhaßte Verfassung erhalten wollte. DerLegitimist Berryer war es, der das Geheimniß der Wahlresormbewegungwenige Tage vor der Revolution offenbarte: „Was gährt so in diesenClassen der französischen Gesellschaft, die von jeder Theilnahme an denöffentlichen Rechten ausgeschlossen sind? Es ist die Geschichte des mensch-lischen Geschlechts in allen diesen Gesellschaften: man steigt von Classezu Classe. Die Höhenpunkte vergehen und verschwinden; der Bürgerstand,die Mittelklasse hat den ersten Platz erobert; sie hat das Uebergewicht; sieherrscht. Aber sie wird um so mehr gedrängt von den unteren Classen,die ihrerseits aufsteigen und mit der Intelligenz aufsteigen, bei denendas Streben, am Gemeinwesen mitzuwirken, von Tag zu Tag sich ent-wickelt. Glaubt, das ist eine aufrichtige Warnung, die ich Euch gebe!" —Guizot verstand diese Warnung nicht, oder erst, nachdem es zu spät war.Im Januar 1849 veröffentlichte er in London eine Schrift: „Ueber dieDemokratie in Frankreich", die als Ergänzung und Erläuterung seinerSchrift vom Jahre 1831: „Ueber die Demokratie der neueren Gesell-schaft", worin er sowohl das göttliche Recht, als auch die Souverainetätdes Volkes verwarf, betrachtet werden kann. Guizot erklärte sich in derersten Schrift sowohl gegen „die Volkstyrannei der Kopfzahl", als auch ge-gen die „Militairdictatur, die wohl Auskunstsmittel für den Augenblick,aber keine Regierungen seien", und forderte die Regierung auf, sich derfreien Institutionen zu bedienen; denn ein anderes Werkzeug, eine andereStütze habe sie nicht. „Frankreichs Zukunft mag sein, wie sie will, derNothwendigkeit einer konstitutionellen Regierung kann es nicht entgehen;um sich zu retten, muß es alle ihre Schwierigkeiten überwinden, alle ihreBedingungen erfüllen. Nur ein Mittel giebt es, dieser Ausgabe zu genü-gen, nur ein gebieterisches Mittel! Alle stabilen Elemente, alle konserva-tiven Kräfte der socialen Ordnung in Frankreich müssen sich auf das In-nigste vereinigen und beständig gemeinschaftlich handeln. Man wird dieDemokratie ebensowenig in der Gesellschaft unterdrücken können, als dieFreiheit in der Regierung. Diese ungeheure Bewegung, welche alle Na-tionen im Innersten durchdrängt und aufregt, welche unaufhörlich alleClassen, alle Menschen auffordert, zu denken, zu begehren, Ansprüche zumachen, zu handeln, sich in jeder Hinsicht zu entwickeln: sie kann nicht un-terdrückt werden. Sie ist eine unwlderlegliche Thatsache, die man hinneh-men muß, mag sie angenehm oder unangenehm sein, zum Zorn entflam-me» , oder in Furcht setzen. Siemuß, damansienichtunter-drücken kann, geregelt werden; denn wenn dies nicht ge-