3. Kap.) Der Krieg in Afrika. — Gefangennahme Abd-el-Kader's. 333
Feinde bald hier, bald da und zog sich, wenn größere Massen nahten, aufmarokkanisches Gebiet zurück. Ganz Marokko zeigte eine schwärmerischeVerehrung für jenen maurischen Häuptling, dessen Blicke sich schon aufden Thron des afrikanischen Kaiserstaats zu richten anfingen. GeneralBugeaud (1841 —1847), unterstützt von jenen vortrefflichen Heerfüh-rern, welche in der algierischen Kriegsschule erwuchsen, einem Cavaignac,Changarnier, Lamoricisre und Bedeau, hatte sich lange theils mit RazziaS,theils mit größeren Streifzügen befaßt, in denen er das französische Ge-biet zwar erweiterte, aber Abd-el-Kader nicht unschädlich machen konnte.Endlich rückte er in Marokko ein, woher der Emir immer neue Streitkräfteheranzog, schlug die Marokkaner am Jsly (14. August 1844) und ließden Prinzen von Jvinville Tanger und Mogador bombardiren (10. und16. August). England vermittelte den Frieden (10. September), worinSultan Abd-ur-Rahman sich anheischig machte, zur Verfolgung Abd-el-Kader's mitzuwirken. Dennoch erschien Abd-el-Kader schon im April 1845wieder in Algerien, wo sich der ganze Westen für ihn erhob. Die aufsAeußerste gereizten Franzosen griffen nun zu barbarischen Mitteln, umdie Kabylenstämme zu unterjochen. Mit Schaudern wird die Geschichteder Handlungsweise des Obersten Pellisier gedenken, der einen ganzenKabylenstamm in den Höhlen von Dahra zu Tode räucherte.
Mit den prahlerische» Siegesbulletins aus Algier, welche der zumMarschall und Herzog von Jsly erhobene Bugeaud erließ, sollte der Tha-tendurst der Franzosen gestillt und die Liebe zum königlichen Hause er-halten werden. Um diesem Ziele noch näher zu kommen, wurde Bugeaud(Mai 1847) abberufen und der Herzog von Aumale zum Generalgouver-neur Algeriens ernannt. Wenige Monate nach seiner Ankunft konnte erdie erfreuliche Kunde in die Heimat senden, daß Abd-el-Kader sich erge-ben habe (22. December). Der Emir, welcher seine letzten Zwecke ver-wirklichen und sich auf den Thron Marokkos schwingen wollte, war ineiner Schlacht gegen den Sultan unterlegen (11. December) und mußtedie Flucht ergreifen. Als er aber die Pässe von Kerbans durch die Fran-zosen gesperrt fand, ergab er sich dem General Lamoriciere, unter der Be-dingung, nach der Türkei gebracht zu werden. Die Regierung ratificirteden Vertrag nicht, sondern ließ ihn mit den Seinigen nach Schloß Pauschaffen. Erst 1852 hat ihn Louis Napoleon freigelassen; seitdem lebtder Emir in Bruffa.
Die auswärtige Politik des Ministeriums war höchst unpopulär.Die Opposition klagte, daß man sich in Marocco jedes Pfandes der Ver-tragsvollziehung begeben, Frankreich die Kriegskosten aufgebürdet, dentapferen Dnpetit-Thouars desavouirt und Pritchard entschädigt habe, weilman England, „das treulose Albion", fürchte. Um das verlorene Ver-trauen wiederzugewinnen, wurde die Jesuitensrage in der Kammer ange-