Band 
(1815 - 1854)
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334
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Frankreich im Jahre 1845.

(3. Kap.

regt (1845). Die Veranlassung dazu gab „der Ewige Jude" von E. Sueund der Proceß des Jesuitenkassirers Affnaer, der wegen Fälschung undUnterschlagung von 200,000 Francs angeklagt war. Das Ministeriumerhielt nach langer Zeit wieder einmal allgemeinen Beisall, als es die Erklä-rung abgab, daß Gras Rossi bereits in Rom wegen Abberufung der Jesuitenverhandele und eine günstige Entscheidung der Frage unzweifelhaft sei(S. 290). Später wurden die zweinndzwanzig Ordenshäuser der Je-suiten wirklich aufgelöst und die etwa zurückbleibenden Jesuiten unter dieAufsicht der Diöcesanbischöfe gestellt. Guizot, der die günstige Stim-mung der Kammern nicht verrauchen lassen wollte, forderte kurz daraus18 Millionen Francs für die Armirung der Pariser Forts und erhieltsie nach mattem Widerspruch bewilligt. Nach seiner Meinung war dasSystem im Innern befestigt und er konnte seine Thätigkeit auf die Er-weiterung des französischen Einflusses wenden. Dazu bot die spanischeHeirath ein vortreffliches Mittel. Freilich zerriß sie das Bündniß mitEngland, aber Louis Philipp schloß sich um so inniger an die östlichenGroßmächte an. Ein günstiger Handelsvertrag mit Rußland (1846),und die Anleihe von 50 Millionen Francs, welche Kaiser Nikolaus wäh-rend der Theuerung von 1847 Frankreich machte, verriethen eine Politik,die im Inland nicht beliebt war. Statt den liberalen Cantonen der Schweizbeizustehen, wie das Volk wünschte, ermuthigte Louis Philipp den Son-Verbünd und einigte sich mit Oesterreich wegen Italiens, um hier gleich-zeitig zu interveniren, wenn es die dasigen Verhältnisse erheischten.

Zu dieser Unbeliebtheit der äußern Politik, in deren Auffassung sichdurch das wiederhergestellte „herzliche Einverständniß" mit England nichtsänderte, traten im Jahre 1847 noch fatale Belege grenzenloser Ausschwei-fung, roher Verbrechen und gemeiner Bestechlichkeit unter dem vornehmenund Beamtenstande, welchen man die Leitung des Staats allein über-tragen hatte. Den Abgrund des Elends und der Verbrechen der niedernClassen, welche E. Sue in „den Geheimnissen von Paris" enthüllt hatte,sah man sich jetzt vor den Spitzen der Gesellschaft gähnend öffnen undden Staat, die Ordnung, die Wohlfahrt und die Sittlichkeit verschlingen.Ein der Mehrzahl der Franzosen nicht genügendes Kirchenthum, dieschlechte Schulcrziehung des Volks, das klägliche Pönitenziarwesen, dieTheurungsnoth, die communistischen Lehren, endlich das centralisirte,abhängige Beamtenthum, das falsche Wahlsystem und die hinterlistigeAusbeutung der Konstitution durch die höchsten Personen haben jeneschamlose Verleugnung der Tugend, jene schnöde Geldgier, jene Ver-derbniß des Charakters, jene Zerrüttung der Finanzen erzeugt, die Frank-reich auf lange Zeit, wenn nicht für immer, zum Spielball der Launeehr- und habsüchtiger Tyrannen gemacht haben. I» den letzten zehnJahren kamen driehundertzweiundneunzig Vergiftungsprocesse vor. Der