Band 
(1815 - 1854)
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340
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340 Ursachen der Februarrevolution in Frankreich. j4. Kap.

Haber beschleunigten den Fortgang der Revolution. Die politischeMisstimmung, welche in vielen Ländern, namentlich in Frankreich, herrschte,steht unter den Ursachen der Revolution erst in zweiter Reihe. Der Libe-ralismus war mehr ein Meinen, als ein ernstliches Wollen, und hätte sichwenige Wochen vor dem 24. Februar mit den mäßigsten Zugeständnissenzufriedengegeben. Die Lasten, welche den Landmann noch hier und dadrückten, waren in Preußen durch die Agrargesche zum Theil erloschen,zum Theil stand die Ablösung derselben in naher Aussicht. Anders ver-hielt es sich im Oesterreichischen, wo indessen die letzten Jahre ebenfallsmanche Erleichterung gebracht hatten. Der höhere Bürgerstand war mitdem Antheil, welchen man ihm an der Regierung gegönnt hatte, größten-theils zufrieden, und mehr auf den materiellen Erwerb, als auf politischeNeuerungen bedacht. Der mittlere Bürgerstand dagegen, der sich unterden Segrmngen eines langen Friedens geistig und materiell gehoben hatte,zeigte ein gewisses Verlangen, die Selbstregierung, welche er in den Ge-meinden erworben, auch in eine Theilnahme an der Staatsregierung zuerweitern. Doch herrschte auch hier mehr die liberale Phrase und keines-falls war man gemeint, ein blühendes Gewerbe oder nährendes Hand-werk jahrelangen Unruhen und Verkehrsstörungen aufzuopfern, die bürger-liche Umwälzungen stets mit sich bringen. Man fühlte sich zwar und trugeine gewisse Abneigung gegen die vornehmen Stände und die hohen Beamtenin sich. Mancher ist wohl so kurzsichtig gewesen, daß er den Verdienst,welchen er von ihnen hatte, im raschen Gedankenfluge durch seine Mitbür-ger ersetzen ließ; aber auch dieses Selbstgefühl blieb nur im embryonischenZustande und zeigte sich zuletzt als Unselbstständigkeit des Charakters undGesinnungslosigkeit, die dem Tagesliberalismus ebenso huldigte, als spä-ter, wo empfindliche Verluste eintraten, oft einem verächtlichen Servilis-mus. Der Stand der wissenschaftlich Gebildeten zählte meist zum Libera-lismus oder Radicalismus; er empfand es entweder schmerzlich, daß manihn in mehreren Staaten von der Repräsentation gänzlich ausschloß, oderer duldete nur ungern die Bevorrechtigung, welche der Adel fast überall ge-noß. Zum Theil lag auch der Grund lebhafterer Betheiligung an libe-ralen oder radicalen Bestrebungen in der schlechten äußeren Stellung,und in der Art und Weise der Ausbildung, wie dies namentlich bei denElementarlehrern zutrifft. Bezeichnend ist es für die schiefe Stellung desJntelligenzstandes, daß man in jener Zeit von einem geistigen Prole-tariat zu reden anfing, ein trauriges Seitenstück zum physischen Proleta-riat. Adel und Rittergutsbesitzer erfreuten sich, wegen der mancherlei, oftillusorischen Vorrechte, die sie genossen, bei den übrigen Volksclaffen kei-ner besondern Gunst. Daher ging der erste blinde Sturm der Revolutionauch gegen diese Stände; deshalb waren es diese Stände zuerst, welchedas Banner der Gegenrevolution entfalteten, nachdem sie sich überzeugt