Band 
(1815 - 1854)
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Die Parteien und ihre Organe.

s4. Kap.

hatten, trat nicht ein, sondern alle Heere, mit Ausnahme des badischenund ungarischen, bewährten die Zucht und den strengen Gehorsam, in wel-chem sie von ihren Oberen auferzogen worden waren.

Was unter dem allgemeinen Namen „Demokraten" zusammengefaßtwurde, war jedoch nicht Eine in sich einige Partei, sondern ein Collectivumvon drei verschiedenen Parteien, die kaum in Einem Punkte, in der Volks-souverainetät, übereinstimmten. DieDemokratisch-Constitutionellen, welcherRichtung die meisten norddeutschen Demokraten anhingen, bekannten sichzur Monarchie auf breitester Grundlage, die reinen Demokraten zur Re-publik, die Rothen aber zur social-demokratischen Republik. Das öffent-liche Organ der ersteren Fraction war die „Zeitungshalle", von G. Ju-lius, später die „Nationalzeitung", das der zweiten „die Reform", vonA. Rüge, und das der dritten die „Neue Rheinische", später „WestdeutscheZeitung", welche sich am besten dadurch charakterisirt, daß sie noch imSommer 1348 und im demokratischen Köln unterdrückt wurde. Diesedrei Fractionen, welche bis nach den ersten Wahlen nothdürftig zusam-menhielten, trennten sich im Sommer 1848, um im November nochmalseine Vereinigung herzustellen, die in Süddeutschland schon im Mai 1849aufgelöst wurde, und in Norddeutschland höchstens noch in etwas Nega-tivem : „Enthaltung von den Kammerwahlen", fortzubestehen scheint. Wiedie Demokraten plötzlich und in ungeahnter Zahl 1848 zum Vorscheinkamen, ebenso rasch ist die Partei als solche wieder verschwunden, wen»es auch der einzelnen Demokraten noch Viele giebt. Dies schnelle Entste-hen und Vergehen der Demokratie gab den Physiologen zu der Erfindungder Lehre von Geistesepidemien Veranlassung, und auf der Berliner Uni-versität konnte man einen jungen Doctoranden eine Dissertation über diedemokratische Krankheit vertheidigen hören.

Betrachten wir endlich die Gründe, warum die Demokratie die er-langte Herrschaft nicht befestigen konnte, so lagen sie theils in der er-wähnten Uneinigkeit der demokratischen Fractionen, welche nichts von demBuchstaben ihrer Programme ablassen wollten, und einander die Unter-stützung verweigerten, in der Furcht, von der Nebenfraction vertilgt zuwerden; theils in dem künstlichen Hinaufschrauben der politischen Prin-cipien zu einer Höhe, wohin das Volk nicht folgen mochte. Die überwie-gend demokratischen Kammern hatten das Volk fortgezogen und glaub-ten, sie seien durch dieses emporgetragen worden. Plötzlich, als der letzteentscheidende Schritt zu thun war, schwebten die Kammern und alle die Demo-kraten. welche sich mit hinausgeschwindelt hatten, allcin in der Lust; sie erblick-ten die Gefahr, sie erkannten die Täuschung, aber es war zu spät, — dieMasse, welcher sie selbst auf den Thron geholfen und die sie mit souverainerMacht umkleidet, sank in die frühere Bedeutungslosigkeit zurück, in die Kluft,welche zu schließen sich nunmehr alle Elemente der Ordnung verbanden. Die