Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
Seite
347
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4. Kap.)

Die Parteien in Deutschland.

347

Demokratie standen keine weiteren Mittel, als die rohe, ungefüge Massezu Gebote; auch fehlte es ihr an Persönlichkeiten, die vor den März-tagen schon einen fest begründeten Ruf gehabt hätten. Zudem traf dieSolidarität, welche man der Demokratie in xlono für alle Straßenscan-dale aufbürdete, den Einfluß und das Ansehen der letzteren mit vernich-tendem Schlage. Alle Nichtdemokraten und auch im Geheimen die Demo-kratisch - konstitutionellen fürchteten, daß „die Rothen" zur Herrschaftkommen möchten. Von den monarchischen Coterien hatte keine mehr Chan-cen, die erledigte Parteiberrschaft anzutreten, als die „Junkerpartei" und die„Bureaukratenpartei", da die Liberalen, welche ohnehin als Urheber undSchürer der vormärzlichen Bewegung mistrauisch angesehen und zugleich vonden Demokraten gehaßt wurden, aller Gewaltmittel entbehrten und wederdie Massen, noch das Heer auf ihrer Seite hatten. Auch hatten sich diegepriesenen Talente der Liberalen in der Praxis nicht so bewährt, alsihre Anhänger hatten glauben machen wollen. Zwischen der „Junkerpartei"und der "Bureaukratenpartei", welche beiderseits die strengkirchlichen Ele-mente an sich gezogen, schwebt jetzt noch in mehreren deutschen Staaten derKampf; der Sieg wird derjenigen von beiden Parteien einstweilen zu-fallen, welche die wenigste Selbstsucht und den meisten Patriotismus nebender reinsten Liebe zum Königthum bethätigen wird. Die orientalischenWirren werden über diese Frage bald Licht verbreiten. In Oesterreich hatdie Bureaukratie bereits gesiegt durch den Einheitsstaat, ebenso in Sardi-nien. In Frankreich kam dagegen durch den Staatsstreich von; 2. De-cember 1851 das Säbelregiment aus Ruder, nach Guizot eine Ueber-gangsform und keine wirkliche Regierung. Louis Napoleon hat diese wirk-liche Regierung durch zwei weitere Acte geschaffen lvom 2. Decem-ber 1852 und 29. Januar 1853), nachdem er dazu die Genehmigungdes Volks eingeholt, die erbliche Monarchie gegründet, und durch eineMesalliance den seltsamen Bund mit der Volkssouverainetät besiegeltund sich als xnrvsrm proclamirt. — In Preußen, wo der Kampf zwi-schen Adel und Bureaukratie noch nicht ausgefochten ist, scheint erstererden Rückzug anzutreten. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Partei derKreuzzeitung durch ihr Bündniß mit den separatistischen Bestrebungen inder Kirche, den specifisch-lutherischen und specifisch-reformirten Parteien,den Jrvingianern und Pietisten, sowie durch ihre ruffenfreundliche, anti-preußische Gesinnung, sich sehr geschadet hat, während die Bureaukratiean der im Volke beliebten Union der protestantischen Kirchen festhält, einenationale Politik verfolgt und mit dem Gehorsam gegen den Landesherrnauch die Treue der Ueberzeugung und das redliche Bemühe», sich den con-stitutionellen Formen anzubequemen, zu vereinen bestrebt ist.

Wenden wir uns nun zu dem Einzelnen und versuchen, in kurzenZügen ein Bild der letzten fünf Jahre zu entwerfen.