4. Kap.)
Die radicale Partei und ihr Programm.
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kriegerischen Tendenzen der Revolution durch das berühmte, schönrednerischeCircularschreiben Lamartine's an die französischen Gesandten und Agen-ten beruhigt. „Friede und Freiheit," sagte er, „seien an einem Tage ge-boren worden." Indessen mistrauten die auswärtigen Regierungen diesenPhrasen, wie die Mobilmachungen in Deutschland und die Rüstungen inEngland bewiesen, während Kaiser Nikolaus zu seinen Gardeofficierensagte: „Meine Herren, wir steigen zu Pferde!" Wohin — das zeigten dieLager von Kalisch und der Einmarsch der Russen in die Moldau.
Mitten unter den Beunruhigungen, welchen die provisorische Regie-rung ausgesetzt war, traf sie die Anstalten zu den Urwahlcn für die con-stituirende Nationalversammlung, die zuerst am 20. April, dann am 4.Mai zusammentreten sollte. Ledru - Rollin, der großen Kummer hegte,daß die Wahlen reaclionär ausfallen möchten, schonte kein Mittel, wederder Drohung, noch der Verheißung, um den Regierungscandidaten dieMehrheit zu sichern, und sprach es geradezu aus, daß, wenn der befürch-tete Fall einträte, das Volk noch einmal die Waffen ergreifen müßte, umdie Versammlung zu sprengen. Diese Lehre fiel bei den späteren Macht-habern aus fruchtbaren Boden.
^0. Der deutsche Bund.
Die Rückwirkung der Februarrevolution aufDeutschland machte sichin dem Maße geltend, wie die Nachricht davon die einzelnen Staaten er-reichte. Regierungen und Völker hegten gleichmäßig Besorgnisse wegenUnruhen und Krieg, die unser Vaterland bodenlos unglücklich machenkonnten. Von Oben fürchtete man den Einmarsch der französischen Repu-blikaner, von Unten die Invasion der Russen, um die revolutionäre Be-wegung von den russischen Grenzen entfernt zu halten und die bedrohtenFürsten zu schützen. Die Liberalen, wie die Regierungen, sahen kein an-deres Heil, den drohenden Gefahren zu entgehen, als Einigkeit und Ge-währung gewisser Lieblingswünsche, welche auf den Landtagen von Jahrzu Jahr aufgetaucht waren. Nach dem Gesetz aller Revolutionen bemäch-tigte sich zuerst die radicale Partei der Leitung des Volks und brachteihre Wünsche in die Forderungen, welche man den Fürsten vortrug unddie von diesen fast überall genehmigt wurden. Wir theilen ein solches Pro-gramm mit: „Ein sreigewähltes Parlament; Preßfreiheit; Religions- undLehrfreiheit; Vereins- und Versammlungsrecht; Verminderung der stehen-den Heere; Einführung der Volkswehr; Beeidigung deS MilitairS auf dieVerfassung; Oeffentlichkeit der Rechtspflege und Schwurgerichte; allge-meines deutsches Staatsbürgerrecht; Verminderung derPensionslast; Ab-tretung der Domainen; Abschaffung der Servitut- und Feudallasten; ge-rechte Besteuerung nach dem Einkommen; Wohlstand, Bildung und Un-