Band 
(1815 - 1854)
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369
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4. Kap.j

Vorläufer der Märzrevolution in Berlin.

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Erfurt (14.) kamen die Bürger über Adressen überein, wurden aber auchvom Militair manchmal daran verhindert. Königsberg und Breslau, dieGrenzpsähle der westlichen Bildung gegen Rußland, hatten große Sorgewegen einer russischen Intervention und baten den König, das Bünd-niß mit Rußland zu lösen und den Bürgern Waffen in die Hände zugeben. In Königsberg ging man so weit, Depeschen aufzufangen, welchenach Rußland bestimmt waren, ohne daß es die Behörden verhindernkonnten. In Westfalen stieg die Anarchie aufs Höchste. Während inden übrigen Provinzen sich der Sturm nach den Bewilligungen des Kö-nigs etwas legte, fachten die misverstandenen königlichen Erlasse in denArbeitern und dem Pöbel hier erst Flammen der Wuth an, in welchendie Schlösser des reichen Adels im Müusterlande zerstört, manches Fabrik-etablissement in Asche gelegt und das Vermögen einiger jüdischen Han-delsleute zerrüttet wurde. In Berlin erhielt sich die Ruhe bis zum13. März, wo unter den Zelten des Thiergartens eine Art Volksver-sammlung gehalten und die Tagcsfragen erörtert wurden. Den Anlaßdazu bot erstens die vom König am 6. März gewährte Znficheruug, denVereinigten Landtag periodisch einzuberufen, ohne daß der Termin dieserEinberufung in nahe Aussicht gestellt wurde und zweitens die Cabinets-ordre vom 8. März, wonach ein Bundespreßgesetz verheißen wurde. VomBunde, dessen Langsamkeit ohnehin bekannt war, wollte man damals garnichts mehr wissen; der Adreffensturm wuchs; die Conflicte zwischen Bür-gern und Militair blieben nicht aus; das Volk in seinen Schenken erhitztesich gegen die Soldaten, und diese in ihren Kasernen redeten sich in einenHaß gegen „das Civil" hinein, aus dem sie die folgenden Ereignisse nichtmehr herauskommen ließen. Man betrachtete einander mit Ingrimm,höhnte und schimpfte einander. In Berlin machte man schon am 13.einen Versuch mit dem Barrikadenbau. Am 14. hatte eine Deputation derBerliner Gemeindebehörden Audienz, um die Antwort aus ihre Dank-adresse für den Erlaß vom 8. anzuhören. Der König antwortete sehrliberal: „Er habe auch jetzt noch die Loosung: Freie Fürsten, freie Völker!Aber ein guter Feldherr kenne auch noch eine andere: Kühn und bedäch-tig! Die Gemeindebehörden hätten sich gegen eine allmälige Entwicke-lung der Verfassung erklärt. Es gäbe aber gewisse Dinge, die sich nichtübereilen ließen, wenn man nicht Gefahr laufen wolle, ste auf den Kopfzu stellen. Die ständische Gliederung, gegen die mau anstrelH, sei ebenfallsdeutsch, ste anzutasten, gefährlich. Der Besitz sei die althergebrachteGrundlage der Standschast. Ueber das Alles könne nur mit dem Land-tage verhandelt werden, der am 27. April zusammentreten solle." DerKönig forderte die Deputation auf, seine Antwort den Bürgern mitzu-theilen, namentlich die nahe Einberufung des Landtags. Dies geschah;allein auf die durch die Straßen wogenden und aus das Militair grollen-

Weltgeschichte. m. 24