Band 
(1815 - 1854)
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408
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408 Ermordung Auerswald's und Lichnowski's. s4. Kap.

längerem Kampfe, unterstützt durch die gegen Abend eingetroffen hessen-darmstädtische Artillerie. Die Linke vermittelte eine Stunde Waffenruhezum Versuch gütlicher Unterhandlungen. Da erfuhr man ein grauenvollesEreigniß. Auerswald und Fürst Lichnowski waren unter bewaffnete Zu-zügler gerathen und hatten sich in eine Gartenwohnung geflüchtet. Leiderentdeckte man sie, zog sie hervor, aushandelte sie grausam und schoß sie zu-letzt als „Spione" nieder. Dies steigerte den Unmuth der Preußischen Trup-pen aufs Höchste; ihre Kampflust war unbezähmbar und die letzten Barri-kaden wurden gestürmt. Das Leichenbegängniß der beiden grausam hinge-mordeten Deputirten fand unter zahlreicher Begleitung statt; v. Gagern undJordan hielten am Grabe Reden und Letzterer bezeichnete die demokratischePresse als Urheberin dieses Crawalls. In der That hatte die Neue Rhei-nische Zeitung wenige Tage vorher einen Lebensabriß des Fürsten Lich-nowski gebracht, der, Dichtung und Wahrheit mischend, diesen Mann mitkaltem Hohnlächeln dem Gespött, der Verachtung und der Wuth des Vol-kes preisgab.

Diese Blutthat, welche die schlummernden Leidenschaften eines revo-lutionären Volkes entschleierte, versetzte alle Gemüther in Angst undSchrecken und entzog der Revolution die Sympathien des besseren Theilsder Nation. Vergebens suchte die demokratische Presse den Eindruck die-ses furchtbaren Ereignisses zu schwächen. Wer bürgte dafür, daß sich dieseEreignisse nicht wiederholten ? Daher steigerte sich die Sehnsucht der Be-sitzenden und der Liberalen aus diesen unheilvollen Zuständen herauszu-kommen. Der Belagerungszustand, wie er nun bald über mehrere Städteund ganze Distrikte verhängt werden sollte, wurde meist freudig begrüßt;man tauschte gern und willig die „Errungenschaften" gegen allgemeineSicherheit und Ordnung ein. Die Blätter und Blüthen, welche der Frei-heitsbaum im März getrieben, waren durch den Mehlthau verzehrenderVolksleidenschaft zerstört und zeigten im Herbst nur verkümmerte und fauleFrüchte. Fast gleichzeitig mit dem Frankfurter Aufstande überschritt auchStruve am 21. September mit einer Anzahl bewaffneter Republikanerden Rhein bei Basel und proclamirte in Lörrach die Republik. Mit terro-ristischen Mitteln preßte er 3000 Mann zu seinen Fahnen, und marschirteauf Heitersheim, wo ihm badische Truppen unter General Hoffmann dasVordringen verwehrten. Er warf sich nach dem Städtchen Stausen,das in aller Eile an den Ausgängen verbarricadirt wurde. Hier fand am24. September der entscheidende Kampf statt. Die Freischärler wurdenaus der Stadt geworfen und eilten nach zwei Stunden, brandschatzend derGrenze zu. Struve wollte dieselbe ebenfalls erreichen, wurde aber inWehr an der Begleitung seiner Frau erkannt und gefangengenommen(25. September). MitMühe vermochte seineBedeckung ihn vor denMis-handlungen der Bauern zu schützen, welche sich an seinen Wagen drängten