Band 
(1815 - 1854)
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417
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4. Kap.;

Wien in Belagerungszustand erklärt.

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der Empörung überall aufzupflanzen. Es sei Pflicht des Kaisers, demAufruhr der Residenzstadt mit Waffengewalt entgegenzutreten; zu diesemZwecke ertheile er dem Fürsten Windischgrätz den Oberbefehl über sämmt-liche Truppen. außer denen in Italien." Nach diesen Erklärungen des Kai-sers schwankte der Reichstag eine Zeitlang, ob er nicht ein Ausgebet des allge-meinen Landsturms erlassen solle, begnügte sich jedoch mit einem Mani-fest „zur Aufklärung der Thatsachen." Bald darauf verkündete WindischgrätzWien und Umgegend in Belagerungszustand (22. October). Der Ge-meinderath der Residenzstadt übernahm nun, da alle Unterhandlungen ge-scheitert waren, die Leitung der Vertheidigungsmaßrcgeln, und ernannteden ehemaligen Lieutenant Meffenhauser zum Commandanten. Die Lei-tung der Artillerie erhielt der polnische General Bem. Ein Beschlußdes Gemeinderaths sicherte den mittellosen Wehrfähigen, welche Dienstethaten, täglich 25 Kreuzer, den Witwen der Gefallenen aber ein Jahr-geld von 200 Gulden, und 30 Gulden Erziehungsgeld für jedes Kind.Wien bekam aus Mähren. Oberösterreich und Steiermark viel Zuzug angeübten Büchsenschützen. verlor aber an 80,000 reiche Leute, welche aus-wanderten.

Am 23. Octbr. rückte Windischgrätz vor Wien und schloß die Stadt vonallen Seiten ein. Unzählige Batterien erhoben sich, um ihre todbringen-den Geschosse auf die Stadt zu schleudern. Die meisten übergegangenenGrenadiere waren wieder zur Fahne zurückgekehrt, und erbaten sich nebstdem Regiment Latour die erste Stelle beim Sturm. Die durch Latour'sTod ohnehin schon große Wuth und Erbitterung der Soldaten wurdedurch eine Proklamation des greisen Radetzky gesteigert, worin er der Be-satzung von Wien ihre Schmach vorhielt. Windischgrätz stellte am 23.dem Gemeinderath seine Bedingungen, welche aber nicht angenommen wur-den . da der Fürst mehrere noch zu bezeichnende Individuen ausgelieferthaben wollte. Der Kampf begann am Abend des 23. Die Wienerschlugen sich wacker, wurden aber von den gut geführten Truppen fastaller Orten besiegt. Immer näher rückten die Belagerer und bewarfendie Stadt mit glühenden Kugeln und Raketen. Am 25. brannte es schonan drei Orten. Trotzdem ließ sich Windischgrätz noch auf eine Unter-handlung mit dem Reichstag und den Ministern ein, indem er ihnen dieNamen der auszuliefernden Personen nannte. Diese waren der ungarischeUnterstaatssecretär Pulsky, Bem, Meffenhauser, Fenner v. Fenneberg undDr. Schütte. Gleichzeitig verfügte sich eine Deputation des Reichstagsnach Olmütz, um die inzwischen beschlossene Verlegung nach Kremsier alsungesetzlich darzustellen. und die kaiserliche Milde für Wien in Anspruchzu nehmen.

Nachdem am 27. Windischgrätz geruht hatte, um den WienernZeit zur Besinnung zu lassen, eröffnete er am 28. October Mittags 12Weltgeschichte, IH. 27