Band 
(1815 - 1854)
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Abreise des Kaisers Ferdinand I.

s4. Kap.

andere Abtheilung des Volks beschoß mit Geschütz und Flinten das kai-serliche Zeughaus, welches erst am 7. October Morgens von der tapfernBesatzung — zwei Compagnien polnischer Truppen — geräumt wurde.Unzählige Schaaren Volks strömten dahin und bewaffneten sich mit Dem.was sie gerade vorfanden. Barricaden erhoben sich in Menge und anVertheidigern hatte es keinen Mangel. General Auersperg zog die Trup-pen aus Wien, und nahm im Belvedere und dem Schwarzenberg'scheuGarten eine feste Stellung. Am 12. October vereinigte er sich mit demBanus, dem er entgegenmarschirt war. Der Reichstag, dessen PräsidentStrohbach schon am 6. October nebst den Tschechen und Galiziern ver-schwunden war, hielt an demselben Tage eine außerordentliche Sitzungunter Smolka's Leitung. Von den Ministern waren blos Kraus undHorn-bostl anwesend, Weffenberg und Bach entflohen. Mit Entsetzen vernahmman den Tod des Kriegsministers, und wählte eine Commission zurWahrung der Sicherheit der Stadt. Gleichzeitig ging eine Deputationnach Schönbrnnn, den Kaiser zu bitten, ein volkstümliches Ministeriumzu ernennen und das Manifest an die Ungarn zurückzunehmen. DerKaiser versprach, diesen Wünschen zu genügen, entfernte sich jedoch mitallen Familiengenoffen am 7. October nach Olmütz, „um Mittel zu fin-den , dem unterjochten Volke Hilfe zu bringen." Der Reichstag erfuhrseine Abreise durch ein kaiserliches Handbillet und erließ ein Manifest,worin er die Völker Oesterreichs zur politischen Besonnenheit mahnte undihnen die Aussicht aus friedliche Vermittelung mit dem Kaiser eröffnete.Freilich schwand diese Aussicht, als Jcllachich mit seine» rohen Serescha-nern die Grenze überschritt; man vermuthete damals, Jellachich's Zugsei gleich anfangs gegen Wien gerichtet gewesen. Der Reichstag suchtevergebens den Ban zum Abzug zu bewegen. Jellachich erwiderte, er seials Soldat dem Donner der Kanonen nachgegangen, sei österreichischerGeneral, und kein Fremdling. Die Wiener, welche sich für die Ungarnerhoben, hofften nun auch auf die Hilfe derselben. Allein 128 Officiereder ungarischen Armee weigerten sich, die Grenze zu überschreiten, sodaßdie Regimenter erst neu organisirt werden mußten, ehe an eine Schlachtzu denken war. Oeffentlich führten die Ungarn als Grund ihres Nicht-erscheinens an, daß sie weder vom Reichstag, noch vom Wiener Ge-meinderath gerufen worden wären. Mehrere Deputationen des Neichs-raths an den Kaiser, dessen Rückkehr dringend erbeten wurde, blieben er-folglos. Der Kaiser antwortete: „er danke dem Reichstag für seine Be-mühungen , der drohenden Anarchie entgegenzuarbeiten, könne aber nichtzurückkehren, bis die kleine, ungemein thätige und kecke Partei, welcheWien terroristre, unterdrückt sei." Wien habe mit einer im offenen Auf-ruhr begriffenen Provinz hochverrätherische Verbindungen angeknüpft, undnach allen Theilen der Monarchie Boten ausgesendet, um das Banner