4. Kap.) Zweiter österreichisch-italienischer Feldzug. 441
Mischen und reactionären Wühlereien zuzuschreiben war. Dennoch be-schlossen die piemontestschen Generale zur Offensive überzugeben undnahmen demgemäß ihre Aufstellung. Radetzky glaubte, durch einen kühnenSeitenangriff über Pavia her den Feind in Schrecken zu setzen, wodurcher anderen, wüthigeren Truppen gegenüber einen entschiedenen Fehlerbegangen hätte, da er seine einzige Verbindungs- und Rückzugslinie(Mailand. Pavia) preisgab. Ohne den Verrath oder das Ungeschick Ra-mortno's, der mit den feigen Lombarden aus der Straße von Mailandvorgeschoben wurde, hätte der glänzende Feldzug der fünf Tage nicht statt-finden können. Am 18. verließ Radetzky Mailand, überschritt am 20.zur Mittagsstunde, wo der Waffenstillstand ablief, den Tesstn, was auchdie Sardinier gleichzeitig thaten, erstürmte Mortara (21.), während auchRamorino bei Gambolo geworfen wurde, drängte Chrzanowski nach Olengaund Novara und griff die Ueberlegenen mit 20,000 Mann bei Novaraan. Chrzanowski, der seine Uebermacht zu einer entscheidenden Thatverwenden konnte, begnügte sich mit einer glücklichen Defensive, bis Nach-mittag vier Uhr 14 Bataillone Oesterreich» herbeikamen und das Gefechtznm Stehen brachten. Abends 6 Uhr langte noch das vierte österreichischeArmeeeorps an und faßte die Piemontesen in der Flanke. Vergebens eilteder Herzog von Genua mit den Reserven herbei. Schon war das sar-dinische Centrum gelöst, die rechte Flanke in Verwirrung und im Dunkelder Nacht begab sich ein Bataillon nach dem andern aus die Flucht. InNovara, wo der König ängstlich des Ausgangs harrte, brachten ihmseine aufgelösten, plündernden Schaaren die Nachricht, daß die Oester-reich» über dem Grabe seiner Hoffnungen ein glänzendes Siegessestfeierten. Durch den General Durando von der Nutzlosigkeit fernerenWiderstandes überzeugt, entsagte er in derselben Nacht der Krone zuGunsten seines Sohnes Victor Emanuel II. von Savoyen und floh nachPortugal, wo er am 28. Juli 1849 in Oporto starb. Der neue Königschloß am 26. März einen Waffenstillstand, während dessen die Oesterreich»das Gebiet zwischen Po und Sefia und die Halste der Stadt und FestungAlessandria besetzten. Am 29. zog Radetzky wieder in Mailand ein, wosich Karl Albert schon für den 21. hatte anlagen lassen. Die TurinerDeputirtenkammer wollte zwar von einem Waffenstillstand nichts wissen,wurde aber am 1. April aufgelöst. In Genua brach sogar ein Aufstandgegen den neuen König aus (30. März), den erst der aus Modena zu-rückkehrende Lamarmvra dämpfen konnte (4—10. April). Am 6. Augustschloffen die kriegführenden Mächte Frieden. Sardinien behielt zwarseine bisherigen Grenzen, mußte aber 75 Millionen Francs Kriegsent-schädigung zahlen und erhielt in Betreff des Zollwesens von Oesterreicheine kleine, aber wohlthätige Concession.