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Görgey's Uebertritt.
Hauptstarke so lange an der oberen Donau festgehalten werden, bis esBem gelungen sein würde, an der unteren Theiß und Donau den Herrnzu spielen. Deshalb machte Klapka von Komorn aus heftige Ausfälle, wo-bei er fast immer im Vortheil war und den Feind über seine Stärketäuschte. Bem war nach der Einnahme Arads plötzlich über den unvor-bereiteten Ban hergefallen und hatte ihn, sammt dem serbischen „Natio-nalhelden" Knicjanin, bei Hegyes, Földvar und Perlaß (14. Juli) sogeschlagen, daß er über die Donau floh und bis aus Ende des Fcldzugsin Ruma unthätig verweilte. Die Kroaten wurden aussätzig gegen denBan, der sie um ihre Hoffnungen betrüge. Die sogenannten „Retter derMonarchie" waren plötzlich anderer Meinung geworden und der Banal-rath in Agram weigerte sich, die octroyirte Charte als für Kroatien gültigzu veröffentlichen. Eljen Koffukh! in Agrams Straßen rufen zu hören,bewies einen der ungarischen Sache günstigen Umschwung, den die Ma-gyaren benutzt hätten, wäre nicht Bem nach Siebenbürgen gerufen wor-den, um die Ruffen hinauszuschlagen und dann bei Temeswar den Befehlzu übernehmen. Die Sache der Magyaren stand zwar schlecht, wozuHaynau's geschickte Operationen das meiste beitrugen; aber so verzwei-felt war sie noch nicht, daß eine Ergebung sogleich nothwendig gewesenwäre. Freilich entging es Görgey nicht, wie der Aufstand hoffnungslosuntergehen müsse; er beschloß deshalb, zur Vermeidung größeren Unheils,seinem Vaterlande alle ferneren Nöthe und Schrecken des Krieges zu er-sparen. Darum stellte er im Kriegsrathe die Forderung, Kossuth mögeabdanken, und ihm dieDictatur übertragen (11.August). Als dies derAgitator gethan, in der Hoffnung, Görgey werde diese Gewalt zur Ret-tung der nationalen und staatlichen Selbstständigkeit des Vaterlandes ge-brauchen, schrieb Görgey am 12. an Rüdiger, er wolle unter gewissenBedingungen mit 30,000 Mann die Waffen strecken. Paskiewitsch ge-nehmigte die Vorschläge Görgey's und dieser führte am 13. August beiVilagos seinen verhängnißvollen Entschluß aus, in demselben Augenblicke,wo die österreichische Vorhut unter Schlick ihn angreifen wollte. Paskie-witsch berichtete an den Kaiser: „Ungarn liegt zu den Füßen Ew. kaiser-lichen Majestät! Görgey stellte keine andere Bedingung, als die Erlaub-niß, daß er die Waffen vor Ihrer Majestät Armee niederlegen dürfe."Haynau berichtete dagegen: „Die österreichische Armee jubelt, daß sie esist, welche den Feind in sechs Schlachten bis zur Vernichtung besiegt undnun auch die Unterwerfung des Görgey'schen Corps bewirkt hat." Trotzder Selbstvertheidigung Görgey's 1852 kann man sich heut noch nichtdes Zweifels erwehren, ob der berühmte Besieger der Perser, Türken undPolen größere Erfolge durch die Kunst der Bestechung oder durch seinGenie errungen hat. Mit Görgey ergaben sich die Anführer Kiß, Pöl-tenberg, Schweidel, Nagy-Sandor, Aulich, Leiningen, Vetter, die Mit-