Band 
(1815 - 1854)
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466
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466 Die Revolution in Baden und der Pfalz. f4. Kap.

erließ Befehle zu Lieferungen von Waffen, Munition, Geld und Lebens-mitteln, wie zur Stellung bewaffneter Mannschaften. Bakunin und zweiPolen der Pariser Emigration leiteten die Vertheidignngsanstalten Dres-dens, welches man nöthigenfalls in einen Schutthaufen verwandeln wollte.Was kümmerte die Fremden und Heimatlosen der Jammer und dasElend der Bewohner Dresdens, was die Kunstschätze und Bauwerke die-ser schönen Stadt? Am 5. kam ein preußisches Gardebataillon, unterOberst Graf Waldersee, dem sächsischen Militair zu Hilfe, am 7. einzweites. Nun begann der Angriff mit solcher Kraft, daß sich die Auf-ständischen ins Innerste der Stadt zurückzogen, nachdem sie noch am 6.den Zwinger in Brand gesteckt hatten. Der Kampf dauerte bis zum 9.und war sehr heiß, da sich die Insurgenten verzweifelt schlugen. Am 9.flüchteten die letzten Aufständischen aus Dresden, wurden aber größtentheilsunterwegs von den erbitterten Landleuten und dem Miiitair gefangen wiedereingebracht. Leipzig, das den Kamps mit seinen Revolutionairs selbst bestan-den hatte, war schnell zur Ordnung zurückgekehrt. Der König von Sach-sen bildete nun ein Ministerium: Dr. Zschinskp, v. Benst, Rabenhorst,Behr und v. Friesen (9. Mai) und stellte die ältere Verfassung wieder her.

In Baden und der Pfalz nahm die Verfaffuugsrevolution einen vielernsteren Charakter an. Es ist bekannt, wie die protestantisch - rationali-stische Pfalz mit ihren zum Theil französischen Einrichtungen und leicht-blütigen Bewohnern sich niemals gut mit dem katholischen, schwerfälligenAltbayern vertragen konnte, das ihr nicht einmal eine billige Anzahl vonVolksvertretern zugestanden hatte. Baden war das classische Land derparlamentarischen Opposition, der Jtzsteine, Welcker, Rotteck, Bassermann,Mathy u. s. w., und nicht wenig stolz auf seinen Ruhm. Eine gewisseSelbstüberhebung, der Gedanke, in Baden würden Deutschlands Ge-schicke entschieden, hatte sich unmerklich in den Köpfen und Herzen desbadischen Volks festgesetzt. Wie empfindlich mußte aber dieser Stolz ge-kränkt werden, wenn die Bureaukratie, wenn die Officiere bei jeder Gele-genheit der Opposition ein gewisses brüskes Wesen entgegentrugen und oftmit schneidender Kälte oppositionelle Kammerbeschlüsse kritisirten undverwarfen. Dieser Fehler der Regierung, die Empfindlichkeit und Reiz-barkeit des Südländers, der gekränkte Stolz, verbunden mit dem Weih-rauch, welchen das übrige Deutschland den badischen Kammern anzündete,machten jede Volksbewegung hier zu einer höchst bedenklichen, wenn esgelang, die Soldaten von ihren Osficieren zu trennen. Dazu kam, daßdie Frankfurter Linke im December 1848 einen Verein gestiftet und weitund breit im Südwesten eingeführt hatte, der die Vereinigung der man-nigfaltigen demokratischen Fractionen unter einem gemeinsamen Bannerzu vollziehen bestimmt war. Man hatte ihn Märzverein genannt, weilseine Mitglieder an den Errungenschaften des März festhalten sollten. Der