Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
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465
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4. Kap.)

Die Mairevolution in Dresden.

465

In Prag entdeckte man eine weitverzweigte Verschwörung. In allen die-sen Orten sahen sich die Regierungen genöthigt, den Belagerungszustandzu verhängen.

Die sogenannte Bewegung zur Aufrechthaltung der Reichsverfaffungverlor viel von ihrem idealen Inhalt: „Nationalität, Einheit und MachtDeutschlands" durch die fremden Zuzügler, welche in jenem Aufstande dieHauptrolle übernahmen. Nach den ersten Thaten der deutschen Ver-faffungsrevolution mußte jeder klar Sehende erkennen, daß die Bewegungmehr nach schweizerischem Kantönli-Zuschnitt angelegt und zu einer nochgrößern Zersplitterung Deutschlands führen mußte, wobei unser Vaterlandnach entsetzlichen Bürgerkriegen eine Beute Rußlands und Frankreichs ge-worden wäre, wenn es gelang, die deutschen Großstaaten aufzulösen, wiedies nicht selten als Ideal hingestellt wurde.

InSachsen trat der aus Grund des neuen, ganz demokratischen,Wahlgesetzes berufene Landtag zusammen (17. Jan. 1849), welcher fast garkeine antidemokratische Opposition (5 Mitlieder) hatte, was, wie die Englän-der sagen, der größte Schaden für ein Land ist. Sachsen ist auch mit keinemLandtage in größerer Disharmonie gewesen als mit diesem. Das MinisteriumBraun Oberländer dankte ab und v. Pfordten trat in bayrische Dienste, woer für eine specifisch bayrische Politik gewirkt hat. Der König von Sachsenbildete nun das aus Verwaltungsmännern bestehende Ministerium Held(24. Februar), welches die deutschen Grundrechte anerkannte. Als aberSchaffrath seinen Antrag auf unbedingte Anerkennung der Reichsversamm-lung stellte, löste Held die Kammern auf (28.April). Das Ministerium war inder deutschen Frage getheilter Ansicht. Die Mehrzahl wünschte, daß der Königim Hinblick auf die drohende Volksbewegung, die deutsche Verfassung aner-kenne, während Freih. v. Neust und General Rabenhorst das widerriethen,und der König auf ihre Seite trat. Die Mehrzahl der Minister (Held,v. Ehrensteiu, Dr. Weinlig) nahm ihre Entlassung (30.), woraus dieDemokraten die Gemeinde - Abgeordneten und Volksversammlungen zuSturmpetitionen bewogen, denen der König entschiedenen Widerstand ent-gegensetzte. Am 3. Mai stellte das Volk dem König sein Ultimatum;Friedrich August H. blieb unerschütterlich, obwohl das Ministerium vonden Plänen des geheimen Nevolutionscomite's, worin der Russe Bakunindie Hauptstimme hatte, unterrichtet war und die steigende Aufregung in ganzSachsen sehr wohl bemerkte. Am 3. Mai fing man an, die Straßen Dres-dens mit Barricaden zu bedecken; am 4. Mai begann der Kampf, an wel-chem auch die Communalgarde Theil nehmen mußte, gegen das nicht zahl-reiche Militair. Der König begab sich mit seiner Familie nach dem König-stein , während das aus der Stadt gezogene Militair fich in der Neustadtconcentrirte. Eine provisorische Regierung (Heubner, Todt und Tzschiruer)

Weltgeschichte. III, Z0