Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
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469
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4. Kap.j Die Revolution in Baden und der Pfalz. 469

Mieroslawski aus Paris zum Oberbefehl. Die zur Herrschaft gelangtePartei der Radikalen zerfiel bald unter sich und wurde von weiter Gehen-den. namentlich Struve und seinem Anhange, in üble Situationen ge-drängt. Auch die Zuzügler aus Frankreich, der Schweiz. Sachsen, glaubtensich durch ihr politisches Märtyrerthum zu einer bedeutenden Rolle berech-tigt, namentlich die tapferen Freischaaren Willich's, Anneke's, Schimmel-pfennigs u. A. m. Viel militairischer Verstand scheint den Führern nichtinnegewohnt zn haben, aber desto mehr Ehrgeiz, hohe Stellen zu bekleiden,und in glänzenden, gestickten Uniformen einherzuschreiten. Sigel, „Ober-commandant der Neckararmee", machte einen Angriff auf Heppenheim,wurde aber vom hessischen Militair geworfen (30. Mai). Die constitui-rende Versammlung gewährte das wüste Bild politischer Unwissenheit,radicaler Gewissenlosigkeit und demokratischen Fanatismus. Preußenerbot sich bei der Centralgewalt und den Landesregierungen, dem Aus-stande, welcher seine Grenzen bedrohte, ein Ende zu machen. Der ge-heime Gedanke, welcher jenem Anerbieten zum Grunde lag, war derWunsch, Baden und besonders Bayern sich zum Danke zu verbinden.Bayern scheint sich aber in Acht genommen zu haben, in der ihm vonPreußen geleisteten „Bundeshilse" den Schein der Anschließung an dieinzwischen „octroyirte Reichsverfassung" und das „Dreikönigsbündniß" zuconstatiren. Dagegen bezeigte sich der badische Großherzog dankbarer.Der Prinz von Preußen wurde zum Oberbefehlshaber der pfälzisch-badi-schen Occupationsarmee ernannt und auf der Reise dahin zu Niederingel-heim von einem Mörder schändlich bedroht (12. Juni). Die preußischeArmee, aus den Corps v. d. Groben und Hirschfeld bestehend, durchzogim Siegerschritt die Pfalz (13. — 20.), entsetzte Landau, überschritt beiGermersheim den Rhein (20.), nachdem die Reichstruppen (Hessen, Würt-temberger, Nassauer und Mecklenburger), unter General v. Peucker, directauf der Bergstraße in Baden eingerückt waren (15.). Bisher hatte maneigentlich so gut wie gar keinen Feind gesehen. Am 21. fand man Mie-roslawski mit 15,000 Mann bei Waghäusel in Schlachtordnung. DieDivision von Hanneken und ein Theil der v. Brun'schen vom Hirschfeld-schen Corps, mit welchem der Prinz marschirte, kamen ins Gefecht unddrängten die Revolutionsarmee nach Wiesloch. Am 21. gingen Peuckerbei Heringenbcrg, und am 22. Groben bei Ladenburg über den Neckarund besetzten Mannheim und Heidelberg. Am 24. fanden heftige Gefechtebei Ubstadt, Neudorf und Bruchsal statt, worin die Preußen siegten, undam 25. zog der Prinz in Karlsruhe ein. Jetzt mußte Mieroslawski bisan die Alb und Murg zurückgehen; dahin folgten die Preußen und dieReichstruppen. Den rechten Flügel bildeten Groben, das CentrumHirschseld, den linken, dicht an den Schwarzwald gelehnt, das Peucker-sche Reichsheer und die preußische Brigade v. Schack. Die in Vorarlberg