Band 
(1815 - 1854)
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Stand- und Kriegsgerichte.

(4. Kap.

stehende österreichische Hilfe, welche den Insurgenten den Rückzug abge-schnitten hätte, lehnte der Prinz ab, was Preußen (13. Juli) damit ent-schuldigte, daß diese Hilfe nicht von Oesterreich selbst, sondern von demReichsministerium angeboten worden sei. Der linke Flügel nahm am29. Juni Gernsbach in Baden; Grüben besetzte Rauenthal, während derPrinz die Schanzen von Muggenstnrm und Maisch stürmte und bis Kuppen-heim vorrückte. Diese Kämpfe zwischen der Alb und Murg gehörten zu denerbittertsten und blutigsten im badischen Feldzuge. Am 30. überschrittenalle Truppen die Murg, drangen bis Oos und umschlossen Rastatt,zu dessen Belagerung sich Grüben am 6. Juli anschickte. Die badischenTruppen und Freischaaren zogen sich nach der Schweizergrenze, wohinauch die Reichstagsabgeordneten Jtzstein, Raveaux, Vogt, Simon, Zitz undErbe gingen, und ließen sich, von den Preußen verfolgt, auf SchweizerBoden entwaffnen (11. Juni). Am längsten hielt sich Sigel in demGrenzwinkel bei Jestätten, bis zum 12. Juli. Die Festung Rastatt, welchenoch am 28. Juni den Landtag hatte tagen sehen, war von den ent-schlossensten Männern, wie Böhring, Anneke, Tiedemann, Corvin - Wiers-bitzky ul m. A., vertheidigt, die lieber sterben, als den Preußen in dieHände fallen wollten. Glückliche Ausfälle der Belagerer befestigten dieInsurgenten in diesem Entschluß. Schon ließ der Prinz schwereres Ge-schütz von Koblenz herbeischaffen, als Oesterreich und Bayern gegen dieZerstörung der Reichsfestung protestirten. Die Belagerer mußten dahersich aus eine lange Einschließung gefaßt machen, als ihnen der Gedankeankam, Flaschen, worin Zeitungen eingeschlossen, die Murg hinab-schwimmen zu lassen, damit die Besatzung von der wahren Sachlageunterrichtet würde, und zuletzt, wenn das nicht hälfe, einen Sturm zuversuchen. Da meldeten sich am 18. Juli Corvin und Langen als Par-lamentäre und stellten das Verlangen, ins Oberland gelassen zu werden,damit sie sich überzeugen könnten, ob wirklich der letzte Mann der größ-ten und besten Revolutionsarmee den deutschen Boden verlassen habe.Man willfahrte ihnen und ihr Bericht wirkte in der Festung so, daßsich die Besatzung am 21. auf Gnade und Ungnade ergab.

Jetzt folgte das traurige Nachspiel. Schon seit dem 2. Juli bestanddas preußische Standrecht in Heidelberg und forderte viele Opfer, z. B.v. Trützschler; Kinkel wurde zu lebenslänglichem Zuchthaus verurtheilt. Am27. October hörten die Standgerichte auf und die ordentlichen badischenKriegsgerichte begannen ihre mildere, aber desto eifrigere Thätigkeit. Am18. August kehrte der Großherzog nach Karlsruhe zurück, nachdem schonseit Ende Juni ein Ministerium hier regiert hatte. Dasselbe bestand ausKlüber, Regenauer, Stenzel, v. Roggenbach, v. Marschall und Stabel,und gehörte der alten Verwaltungspartei an, die nun eifrig die alteOrdnung der Dinge herstellte. Bei der Heftigkeit und dem wiederhol-