Belgien.
489
französische Eroberungsgelüste zu vertheidigen. Die Kammern bewilligteneine außerordentliche Steuer von ^/, ^ der Grundsteuer, ein Zwangsanlehenvon 25 Millionen Francs für die Militairbedürsniffe und die Förderungder Industrie, sowie die Staatsgarantie zur Ausgabe von 30 MillionenFrancs Banknoten. Die Forderungen des demokratischen Zeitgeistes wur-den mit billigen Opfern erkauft, indem der Wahlcensus auf 20 Guldenermäßigt, der Zeitungsstempel aufgehoben und den Staatsdienern der Ein-tritt in die Kammern untersagt wurde. Die Kammern des Jahres 1850gehörten meist der liberalen Partei an, sodaß Rogier die Unterrichtsfragein ihrem Sinne erledigen konnte. Die Handelsverträge mit Frankreich(16. Juli 1842 und November 1849) und dem Zollvereine (1. Sep-tember 1844 und 1852) beförderten den Wohlstand, welchen man, wieimmer mehr erkannt wurde, der Umsicht und geschickten Leitung des Kö.nigs verdankte. Daber waren die Beweise der Theilnahme, welche dasVolk beim Tode der Königin Louise (11. October 1850) und der Ver-mählung des Herzogs von Brabant mit einer österreichischen Prinzessin(22. August 1853) an den Tag legte, so ungeheuchelt und aufrichtig,daß sie selbst dem kältesten Beobachter Achtung für das königliche Hauseinflößten. Der Proceß des Grasen Hippolyt de Bocarmö steht glück-licherweise vereinzelt als trauriges Zeiche» einer auch unter den höherenStänden herrschenden Sittenlosigkeit da. Die Nichtannahme des Erbschafts-steuergesetzes durch die Kammern (1851) führte zu Ministerkrisen, die erstam 30. October 1852 endeten, wo de Broucksre ei» neues Cabinet bil-dete. Unter ihm wurde dieReduction der 5procentigen Schuld von 1840auf 4'/z Procent ins Werk gesetzt, wie die Finanzen sich überhaupt einesgedeihlichen Standes erfreuten. In Rücksicht auf diesen günstigen Finanz-zustand bewilligten die Kammern auch den polnischen Officieren, welche1852 aus Furcht vor Rußland entlassen worden waren, Pensionen.Um Louis Napoleon, der Belgien sehr bedrohte, zufriedenzustellen, nah-men die Kammern ein strengeres Preßgesetz an, welches die Beleidigungfremder Monarchen durch die Presse mit strengen Strafen belegte. AusFurcht vor französischen Eingriffen erhöhte man den Militairetat (1852)und machte (1853) so gewaltige Rüstungen, daß alle Welt den Kriegnahe glaubte und in diesem Glauben durch die Reisen des Königs nachEngland, Preußen und Oesterreich bestärkt wurde.
60. Die nordischen Reiche: Dänemark, Schweden undNorwegen.
Nach einer Sturmpetition vom 21. März 1848 in Kopenhagentrat das Casinoministerium (Graf Adam Wilhelm Moltke, v. Bardenfleth,Gras Knuth, Tscherning, Monrad, Bluhme, Zahrtmann, Orla Lehmann