3 50(Claſl. XXVI. Von Gaͤrten.da alsdann das Aug den Winter uͤber ftill ſtehen bleibet/ und erſt nachfolgen-den Fruhling anfaͤnget zu treiben.
Man ſolle aber dieſe Aeuglung oder Arbeit allezeit im AbnehmendenMond/ gegen Abend/ in kuͤhler Zeit/ auch da es nicht windig oder Regen/ſondern ſtiles Wetter iſt/ auch nicht in der Mittags⸗Hitze/ vornehmen.
Nora. Dafern vier oder fuͤnff Tag nach der Aeuglung Regen⸗ Wetter
einfallen ſolte/ ware zu beſorgen/ daß die Aeuglung verderben moͤch-te/ und alſo die Arbeit umbſonſt gethan ſeyn.
1. Bey dieſer Axt des Aeuglens hat der Land⸗Gaͤrtner dieſes Meyer-hofs endlich auch zu wiſſen/ daß man auff einem Stamm ein/ zwo/ drey undmehr Augen ſetzen koͤnne/ darbey aber in acht genommen werden ſolle/ daßman ſolche Aeuglein wiederumb dergeſtalt/ gleichwie dieſelbe an ihren Zweig-lein geſtanden/ nemlich Wechſelweiß und abgeſetzt(nicht gerad gegen einanderüͤber noch viel weniger gleich ubereinander in einer Lini) einſetze/ ſondern wieſolches die Natur an den Zweigen und Staͤmmen fuͤr Augen zeiget/ demſel-bigen ſolle man in dieſem Fall auch wieder nachfolgen.
2. Man ſetzet auch Augen nicht allein auff den Stamm/ ſondern auchauff die Aeſte oder Zweige/ auch hat man in Erfahrung ſo viel gefunden/ daßman auff einen groſſen Kirſchbaum ſechſerley Kirſchen und uͤber die viertzig Au-gen aufffetzen habelaſſen/ welche mehrentheils das andere Jahr gebluͤhet unddas dritte Frucht getragen.
Nota, Es muß aber ſolcher Baum vorher oder umb Weyhnachten abge-
worffen/ und jedem Aſt nur ein oder zwey Augen gelaſſen werden.Auß dieſen Augen treiben hernach die Baͤume ſtarcke freche ZweigeEben lang/ kan man alsdann im Sommer auff die aͤuglen: Manſolle aber den neuen Zweigen alsdann das Laub und die Augen in derAeuglung abnehmen.
Der Meyer hat bey dieſer Gaͤrtnerey noch ferner zu mercken/ daß dieſeArt des Aeugelns mehr zum Stein Obſt und vornemlich zu den Quittenſtaͤm-men dann zu denen auß Kernen gezielten Birn⸗nd Aepffelbaͤumen dienet.Dann die Aepffelbaͤume kommen langſam in der Aeuglung.
Alſo iſt das ſpat aͤugeln zuallerley Stein⸗Obſt/ inſonderheit zu den Pfer-ſingbaͤumen bequem. Hingegen zu den Kirſchen nicht; auß Urſachen/ weilnſie an dem Ort/ wo mans auffſchneidet/ und das Augeinſetzet/ gemeiniglichviel Hartz außſtoſſen/ welches verhindert/ daß das Aug im fruͤhe Jahrnicht treiben kan; derowegen iſt beſſer/ daß man in Mayo und Juniooculire.
V. Die Pfropffung mit dem Roͤhrlein iſt nicht aller Orten bekanntoder gemein/ wird Teicheln genennet/ damit aber der Meyer diß Hofs auchdarvon