Band 
Erster Band.
Seite
220
JPEG-Download
 

22Ü

durch den Anschein von Feindseligkeit etwas erreichen zuwollen; verstimmt und gereizt, weil er sich gemißhandeltglaubte, ergriff er natürlicher Weise jene drohende Stel-lung, aber damit brachte er doch die Wirkung hervor, daßman in Wien mehr Rücksicht auf ihn nahm, als bisher.War es bei dem Vertrag mit Spanien jemals auf einegroße katholische Combination abgesehen gewesen, so zeigtesich in Kurzem, daß diese nicht ausführbar sei; unter an-dern stieß man bei dem König von Polen auf größereSchwierigkeiten als man erwartete. Aus beiden Grün-den beschloß der Wiener Hof, sich dem König von Preußenzu nähern. Schon im Januar 1726 machte er dem-selben freundschaftliche Eröffnungen, pries ihn, daß er inder Sache von Ostende so gute und patriotische Gesin-nungen kund gegeben: jetzt war Scckcndorf, der sich ge-rade auf seinem Gut Meuselwitz aufhielt, von Prinz Eugenbeauftragt worden, nach Berlin zu gehen, und dem Kö-nig zu hinterbringen, daß es nur von ihm abhänge, ober mit dem Kaiser in guter Freundschaft und Einigkeitstehen wolle.'

General Scckcndorf hatte das Glück, daß der Fürst,an den er abgeschickt war, ihm zuvorkommend schon sel-ber den Sinn zeigte, welchen er hervorrufen sollte.

Der König, dem seine Gedanken immer auf der Zungeschwebten, fragte gleich nach der ersten Begrüßung, ob

1. 5 Mai 1726. Bei! Förster Friedrich Wilhelm I Urkundcn-tmch II, S. 59.