363
len auffordern, waren Gedanken, die einander in sich selbstwidersprachen.
Eben um der anstößigen Beweglichkeit der sächsischenPolitik ein Ende zu machen, waren die Mächte seit eini-ger Zeit in Unterhandlungen begriffen, die sich nach ei-nem ganz andern Ziele richteten.
Bereits im Jahre 1726 hatten Rußland und Preußendie Verabredung getroffen, dahin zu wirken, daß bei dernächsten Thronvacanz in Polen ein Fürst aus der Wahlhervorgehe, welcher weder der polnischen Freiheit noch sei-nen Nachbarn gefährlich sei, und von dem sich erwartenlasse, daß er die alten Verträge der Republik mit Bran-denburg wie mit Rußland beobachten werde.'
Im Jahre 1729 ward zwischen den drei Mächtenviel über die Frage verhandelt, ob man sich im vorauszur namentlichen Ausschließung der beiden zunächst zuerwartenden Competenten, des Stanislaus Leßczynskiund des Churprinzen von Sachsen vereinigen solle. Ruß-land und Preußen waren hiezu einverstanden: Östreichsträubte sich, da es einen Bruch mit Sachsen zu vermei-den wünschte. Da aber die beiden ersten nichts thunwollten, dem das letzte nicht beitreten könnte, so sprachenauch sie die Erclusive nicht in aller Form aus; sondern
1. Ostermann sagte im Zulu der Churprinz erscheine seinemHerrn zu gefährlich; im Oktober: S. Russisch Kaiserliche Maj. seies am liebsten wenn ein Piastus zur Krone käme. Er war sogarnicht damit zufrieden, daß Ostreich herbeigezogen worden, und vonden Stipulationen Nachricht bekommen hatte.