Band 
Erster Band.
Seite
421
JPEG-Download
 

421

der seinen Schwiegervater verleugne, ihn aus einemKönig von Polen zum Herzog von Bar mache, nicht zu-frieden geben: er wollte den Gesandten, der ihm von je-her das Gegentheil versichert hatte, nicht mehr mit Augensehen. Der Kronprinz, seine Gedanken auf die Zukunftrichtend, war noch mehr über Ostreich erstaunt, das durchdas Verfahren der Franzosen gegen Stanislaus wohl be-lehrt sein sollte, wie wenig es auf die Versprechungenderselben in Hinsicht der Garantie zu trauen habe. An-dere bemerkten, so gehe es nun einmal in der Welt, darinbestehe die Klugheit der Franzosen, sich nicht durch Lei-denschaften beherrschen zu lassen, sondern nur ihr Interessezu befolgen, nach diesem heute mit dem einen morgen mitdem andern Freundschaft zu halten.

Bald aber sollte man sich in Berlin von den allge-meinen Betrachtungen auf die dringendsten eigenen Miß-verhältnisse verwiesen sehen. Als die Waffen wieder ruh-ten, zeigte zunächst der kaiserliche Hof dem preußischeneine Ungunst, die dieser nie erwartete.

König Friedrich Wilhelm hatte die Verpflichtungenseines geheimen Tractates sorgfältig erfüllt, seine zehntau-send Mann gestellt, noch mehr angeboten; an ihm lages nicht, wenn es nicht zu einer Schlacht gekommenwar; dennoch erfuhr er jetzt Vorwürfe; besonders einsmachte man ihm zum Verbrechen, daß er sich geweigerthatte an der letzten Unternehmung des General Secken-dorf nach der Mosel hin Theil zu nehmen.