58
Schwägerschaft vermehrten. Davon hatten die Protestan-ten vieles fallen lassen, anderes aber beibehalten, nichtohne Rücksicht auf die Verbindung mit den Katholischenim Reiche, denen sie nicht das Schauspiel von allzuver-werflich scheinenden Ehen geben wollten. Dies war jedochkein Motiv das für Friedrich II Bedeutung gehabt hätte:er erklärte jede Ehe für erlaubt und ohne Dispensation zu-lässig, die in Gottes Wort nicht klar verboten sei. DerKanzler der Universität Halle ^ rühmt ihn, daß er die evan-gelische Freiheit vollends herstelle und die mosaische Klarheitnicht mehr durch willkührliche Zusätze verdunkeln lasse. DerKönig selbst giebt einen andern Grund an, der eine all-gemeine Überzeugung des Jahrhunderts auszumachen an-fing. Man neigte sich damals zu der Meinung hin, daßdie Bevölkerung in einem großen Theile von Europa eherabnehme, als anwachse. Wer kennt die abenteuerlichenMittel nicht, die ein anderer Kriegsmann, der Marschallvvn Sachsen, zur Abstellung dieses Übels sich aussann? ^Die meisten suchten den Grund davon in den kirchlichenVerboten, und welche Wirkung die Milderung derselbenüber ganz Europa hin hervorgebracht hat, zeigt der Augen-schein in einem späteren Jahrhundert. Von den vor-nehmsten war in den protestantischen Ländern vorlängstnicht mehr die Rede, aber auch der geringeren wollte man
In den wöchentlichen Anzeigen, ausgezogen bei Faßmann Re-gierungsantritt l, 74, wo auch das Rescript vom 3 Juli.
2. Kellexions sur 1a propsZMon I'eäepee Iiumaine. I^öve-rles lVIsuiice Oomte 8axe 346.