320
sei, bewaffnet im Felde erscheinen wollte, sie zu vertheidi-gen: er möge nur ein Wort mit dem Churfürsten vonBaiern sprechen, der sei vielleicht noch zu gewinnen.Eine sehr persönliche, sehr weibliche Auffassung der Sache.England wollte und mußte seinen Krieg mit Frankreichführen; es konnte nicht wünschen, daß sich dies auf Preu-ßen stütze, statt auf Baiern. Der Gesandte erklärte eineAbkunft mit Baiern für vollkommen unmöglich, die Aus-einandersetzung mit Preußen für das einzige Rettungs-mittel. Wenn sie es nicht ergreife, so werde, sagte erihr eines Tages, die Gefahr immer mehr und weiter umsie her anschwellen, wie die Muth der Donau da unten.Man sah unter dem Fenster an dem sie standen den aus-getretenen Fluß weit und breit dahinwogen.
Es war für die Königin die härteste Anmuthung dieihr überhaupt geschehen konnte, mit dem König von Preu-ßen in Unterhandlung zu treten, ihm Anerbietungen zumachen: aber so lagen nun die Dinge der Welt, daß esnicht mehr zu vermeiden stand; sie that es endlich, nochimmer zögernd, zurückhaltend, wider Willen.
Zuerst meinte sie noch, durch eine Abtretung in denNiederlanden die preußischen Forderungen zu befriedigen.Selbst eine solche ward ihr sehr schwer. Als der Entwurfder Anerbietungen, die man machen wollte, ihr vorgelegtward, bedeckte sie das Papier mit Corrccturen, welchedas innere Widerstreben ausdrückten, mit dem sie nach-