Feldzug in Sachsen, November undDecember 1745.
Maria Theresia hatte nicht mehr den Jugendreiz, der,vom Unglück gehoben, so lange sie nur angefeindet, gütig,unschuldig und standhaft erschien, sie unwiderstehlich machte;ihre Züge waren stärker, ihre Haltung stolzer, majestäti-scher, ihr ganzes Wesen selbstbewußter geworden. Früherhatte sie viel Neigung zu Festlichkeiten des Hofes, Mas-kenbällen, musikalischen Übungen gezeigt; jetzt gefiel siesich vor allem zu Pferde; sie ritt mit einer Raschheit da-her, welche ihre Freunde in Schrecken setzte. Die Sorgefür die Erhaltung ihrer Schönheit lag ihr ferne; sie setztesich jeder Witterung aus; eine natürlich kräftige Consti-tution ließ sie alles ertragen, was andern unerträglichwar. In der Stadt erschien sie so einfach wie mög-lich; man sah sie, bürgerlich gekleidet, nach damaligerenglischer Sitte, ihre Freundinnen auch zu Fuß besu-chen; dem entspricht es sehr wohl, daß sie sich ihren Re-gierungspflichten mit dem größten Eifer unterzog. AlleMorgen von sechs bis zehn las sie die eingegangenenDepeschen und Gesuche und gab ihre Resolution; sie