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Der nützlichen Hauss- und Veld-Schule erster Theil, in welchem ausführlich enthalten, wie man ein Land-Feld-Guth und Meyerey mit aller Zugehöre ... mit Nutzen anordnen solle : worbey dann auch zugleich eine zur Hausshaltung auf dem Lande nützliche Hauss-Artzney für Menschen und Viehe, samt allerhand raren und vorträglichen Hauss-Künsten, mit sonderbarem Fleiss colligirt ... / und nunmehr mit dem lang-verlangten zweyten Theil, samt darzu gehörigen Figuren und einem vollständigen Register an den Tag gegeben durch Georg Andream Böckler
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Claf. XXVI. Von Gaͤrten.

Item Citronen und Pomerantzen⸗Baͤume zu Cypreſſen/ Myrthen undLorbeeren gepflantzet/ wachſen auch ſchoͤn und gerne beyeinander.

Gleiche Bewandtniß hat es auch mit Granaten und Myrthen; Alſoauch die Dattelbaͤume das Maͤnnlein und Weiblein beyſammen; Dann ohnedas Maͤnnlein das Weiblein keine Frucht bringet.

Hingegen koͤnnen die Oliven, Baͤume nicht leiden/ daß andere Baͤumenechſt bey ihnen herumb ſtehen; dann ſie belieben nur ihr eigenes Geſchlecht.

Alſo auch der Oelbaum kan nicht wol leiden/ daß ein Eychbaum nechſtbey ihm ſtehe/ oder daß/ wann man denſelbigen in eine Grube ſetzet/ da zuvor einEychbaum geſtanden⸗ ſo verdirbt der Oelbaum.

Ebenmaͤſſig verhaͤlt es ſich mit dem Nuß⸗ und Eychbaum/ welche beydeeine ſonderbare Widerwaͤrtigkeit gegen einander haben/ daß/ wann man dieſerBaͤume einen in des andern Grube ſetzet/ ſo verderret und verdirbt derſelbige.

II. Die Feit des Außſetzens betreffend/ ſo iſt dieſelbige zwryerley:

I. Im Fruͤhling.

II. Im Herbſt.

1. Im Fruͤhling geſchiehet ſolches im Mertz ohngefehr den eilfften Tasdiß Monats/ und dieſes nach Landes⸗Art/ wannees ein kalter Ort iſt; wor-bey in acht zu nehmen/ wann es einen kalten Mertz⸗Lufft hernach gibt/ und durchnachfolgende Sonnen⸗Hitze das Erdreich außtrscknet/ ſo wird dardurch demBaum ſeine Krafft und Wachsthum entzogen/ ſtehet alſo derſelbe ab undverdirbt.

II. Im Herbſt und Winter⸗Monat aber iſt es am beſten/ ohngeſehr auchden Ellfften vor der Sonnen⸗Wende; Dann die nachfolgende Winte Feuchte gibt den Wurtzeln Safft/ und nehmen dieſelbige den neuen Grund deſto lie-ber an/ auch wann der Fruͤhling kommet/ ſo hat der geſetzte Baum ſchon ge-nugſame Krafft und Safft/ ſo erfordert wird.

Nota. Dafern man im Sommer wegen eines Baues oder andern Ur-ſache einen Baum von ſeiner Stelle hinweg und man ſelbigen verſe-tzen muüſte /ſo kan ſolches noch wol geſchehen/ wann die Bäaͤume nichtuͤber fuͤnff oder ſechs Jahr alt ſeynd. Was aber aͤltere Baͤume ſeynd/die kan man auch verſetzen und damit procediren und handeln/ wiebald hernach folgen wird.

Hernach iſt zu wiſſen/ daß der jenige Baum/ ſo im abnehmenden Mond

gepflantzet/ fruchtbar wird/ deſſen Obſt bald zeitiget.

Die jenigen Baͤume aber/ ſo im neuen Liecht und zunehmenden Mond ge-

pflantzet werden/ bekleiben wol/ werden alt und waͤhrhafftig/ bekommen vieWurtzeln/ Laub und Holtz/ aber ſie tragen nicht viel Frucht.

Nota.