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sie aus zufälligen Aeusserungen die sclieusslichstcn Ver-brechen, an die sie nie gedacht, sich herausdemonstriren,um zu ihrer eigenen Vernichtung beizutragen. Es istVielen gewiss ebenso gegangen, wie mit einer Sinnes-täuschung, die aus irgend einem krankhaften Zustandeeines Sinnesorgans hervorgeht, die jahrelang mit derMacht der Vernunft bekämpft und zurückgestossen wird,bis das Gemüth in dem fortwährenden Kampfe sich auf-reibt und der Glaube an die Realität der Täuschung undmit ihm der Wahnsinn hervorbricht. Es dürfte auchheute wenig Menschen geben, die, abgeschlossen vondem Verkehr mit der Welt, immerfort hören müssten,sie hätten diese oder jene Schandthat begangen, die nichtin ihren einsamen Stunden anfangen müssten, an sich
selber zu zweifeln, und sich nicht die Möglichkeit aus-dächtcn, sie könnten doch vielleicht die Thäter sein.
Wenn auch die Martern der Tortur manches Geständnissausgepresst, das objektiv und subjektiv eine Lüge war,es gicbt Zustände von Exaltation des Gemüths, die ver-schwinden, sobald man ihnen keine Aufmerksamkeit mehrschenkt; eine gesunde, wie eine kranke Idee erstarkterst recht an dem Widerstande und an den Martern, dieman ihr entgegensetzt. Als Märtyrer für einen Gedan-ken zu dulden und, wenn es sein muss, zu sterben,
gewährt eine tief innerliche Befriedigung. Der unbedeu-tendste Mensch erhebt sich, wenn er als Märtyrer fürirgend einen Gedanken leidet, aus dem beschränktenKreise seines Lebens und wird eine Person. Um anmedicinische Erfahrungen anzuknüpfen: es ist eine häu-fig zu beobachtende Thatsache, dass eine Hysterischeihr Wesen desto ärger treibt, je mehr man ihr Auf-merksamkeit schenkt. Es giebt Fälle, wo sich Krankeund besonders Frauen stumm stellen, sich alle ersinn-liche Martern zufügen, Nadeln in’s Fleisch stechen,Nägel verschlucken u. s. w., um durch die Seltsamkeitihrer Leiden Aufsehen zu erregen (cf. 0 s i a n d e r, Ent-wickelungskrankheiten in den Blüthenjahren des weibli-lichen Geschlechts, p. 10). Wir wissen von Verbrechern,