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Es ist schwer zu glauben, dass Johanne d’Arc mitihrem schnellen und sichern Blicke, ihrem richtigen Ur-tlieil, ihrem festen Willen, ihrem Muthe, ihrer edlen Be-redtsamkeit, mit all den Gaben, die das Vaterland und ih-ren König gerettet, geisteskrank gewesen sein soll. Unddoch war sie’s. Aber ihre Theomauie hatte, anstatt dieRichtigkeit und Schärfe ihres Urtheils, ihres Verstandeszu schwächen, nur dazu beigetragen, ihre geistigen Kräftezu einer schwunghaften Entwickelung zu führen.
Schon frühzeitig war an Johanne d’Arc Neigung zueiner träumerischen Kontemplation und eine innige reli-giöse Hingebung zu bemerken. Fern von dem Kreiseihrer Altersgenossen liebte sie die Bilder der Heiligenmit Blumen zu bekränzen. Je grösser sie wurde, destomehr traten männliche Neigungen in ihr hervor; sie fandFreude an körperlich schweren Arbeiten, an Pferden, undhorchte lebendig auf die Erzählung von den Kämpfen unddem Unglück ihres Landes. Wahrscheinlich in Folge desFehlens der Menstruation hatte sie schon im dreizehntenJahre häufige Hallucinationen des Gesichts und Gehörs;Lichtströme blendeten ihr Gesiebt am hellen Mittage;unbekannte Stimmen riefen ihr zu, wenn sie sich alleinglaubte. Später besuchte sie der Erzengel Michael, derEngel Gabriel, die heilige Katharine und die heilige Mar-garethe. Von den beiden letzten Heiligen, für die sie einebesondere Hingebung an den Tag legte, deren Bilder siehauptsächlich mit Blumen schmückte, glaubte sic, dass siemit ihr in das Dickicht der Wälder hineingingen und ihrdort ihren Rath zu Theil werden liessen. Ein Biographversichert, dass Johanne d’Arc niemals, selbst im Kerkernicht, nur unmittelbar vor den Schrecken ihres Todes ander Wirklichkeit dieser Erscheinungen irre geworden ist.Sie behauptete stets, dass die Heiligen ihr häufig erschie-nen seien und noch erschienen, dass sie mit ihr sprächen,dass sie dieselben nicht mit ihren geistigen, sondern mitihren leiblichen Augen gesehen, dass sie Alles, was siegesagt und was sie unternommen, nur auf den Rath derHeiligen gethan. „Johanne war zu aufrichtig, um zu lü-