Buch 
Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
Entstehung
Seite
38
JPEG-Download
 

38

der Orthodoxie dastand. Er behauptet, dass alle Teufcls-verehrer im vollen Besitze ihrer Vernunft sind, dass ihreBehauptungen, sowohl in Bezug auf ihre eigenen Ver-brechen, als auf ihre Mitschuldigen, vor Gericht ein voll-kommenes Zutrauen verdienen; es sei kein Zweifel, dasssie häufig mit den Dämonen in nächtlichen Zusammen-künften zu sträflichen Handlungen sich begegneten undunter einander und mit unreinen Geistern Buhlschaft trieben. Er sucht durch spitzfindige Demonstrationen zu be-weisen, dass der Teufel seine Anbeter lehre, sich in Thierezu verwandeln, und dass die Hexen wirklich als Katzen,die häufigste Thiergestalt, erschienen, wenn sie auf diekleinen Kinder Jagd machten. Die mit schlafmachendenEigenschaften versehene Zaubersalbe hat keine Wirkungauf die Gläubigen; aber bei den Zauberern selbst wirkt sie,weil der Teufel noch dazutritt und sie betäubend macht.Viele Teufelsanbeter fallen in dem Augenblicke, wo sieder Teufel zu seinen Versammlungen aus ihrer Wohnungherausträgt, in eine ArtEcstase; Viele bleiben, anstattkörperlich zum Sabbat zu gehen, erstarrt oder wie todtin ihrem Bette oder in einem Winkel des Hauses liegen;man darf sie aber deshalb noch nicht für unschuldig halten,denn sie haben während ihres Schlafes dieselben Sensa-tionen gehabt, als wenn sie körperlich der Versammlungbeigewohnt, und nur der Teufel kann der Seele solchgrauenvolle Bilder einprägen; die Anbeter des wahrenGottes haben solche Erscheinungen nicht. Die Zahl derTeufelsanbeter steigt von Tag zu Tag. Von einer Me-lancholie können die Erscheinungen nicht abgeleitet werden;es wäre seltsam, wie ein solches Uebel mit denselbenDelirien, mit denselben Wahrnehmungen des Gesichts,des Gehörs und des Gefühls so Viele zu gleicher Zeitbefallen könnte. Zum Beweise, dass die Strigen wirk-lich die Gesellschaft von Dämonen besuchen, findet manvon Zeit zn Zeit fern von den Wohnungen der Menschenmitten auf dem Wege nackte oder halbnackte Menschen,welche der Teufel plötzlich in diesem Zustande verlassenhat, um sie für irgend ein Vergehen zu bestrafen. Mitleid