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Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
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Störungen in der Thätigkeit des Verstandes Folge einerKrankheit seien.

Dodonaeus theilt den Fall einer Manie mit, bei ei-nem Manne von 40 Jahren. Ehe der Anfall kam, hatteer das Gefühl, als koche ihm das Blut in der Brust, dannüberkam ihn ein Schwindel, er schrie aus vollem Halseund schlug um sich. Ein reichlicher Aderlass war ganzohne Erfolg, dann aber liess der Anfall in seiner Heftig-keit nach, kehrte jedoch nach einigen Wochen wieder.Zuletzt stellte sich ein starker Bluthusten ein und derKranke starb an phlhisis pulmonum *).Ich wurde,erzählt Brassavole, einmal in der Nacht um 2 Uhrzu einem jungen Juden, Namens Raphael, gerufen. Erwar über den ganzen Körper mit Geschwülsten oder miteiner Art Anthrax bedeckt; eine sehr grosse Geschwulstsass am Halse. Er war sehr lustig und wollte mit einemSchlüssel, den er in der Hand hielt, den UmstehendenAder lassen; bald aber ging diese heitere Narrheit inWuth über, er wollte Alle schlagen, lief hin und her undzerbrach Alles, was er auf seinem Wego antraf. Amandern Tage zeigte er grosse Schlafsucht. Dann fuhr erauf und rasete unausgesetzt vier Stunden hinter einander;schlug sich mit den Fäusten, machte die Stimmen derVögel und vierfüssigen Thiere nach, sprach zwischen denZähnen und machte so wunderliche Bewegungen, dass es«rar nicht von natürlichen Ursachen herrühren zu können

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schien. Derartige Anfälle kamen zweimal täglich undbegannen von den Hypochondrien. Schmerzen schien erdabei gar nicht zu empfinden, wollte auch keine Arzneieneinnehmen, und seine Dienstleute behaupteten, er sei be-hext, wandten jedoch vergeblich Mittel gegen Zaubereienan. Auch das Exorcisiren, weil er den Teufel im Leibehaben sollte, war vergeblich; denn es war eine Krankheit,die durch gute Arzneien und durch die Zeit geheilt wird.

1) Rembert Dodoens, Observ. med. Nr. 10. S i m o n G o u -lard 1. c. p. 76.