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Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
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Und so wurde er denn auch nach acht Monaten gesundund ist es seitdem geblieben.

Daniel Federier, ein Kupferschmied in Freiburg imBreisgau, 27 Jahr alt, kroch in einem Anfalle von Ma-nie auf den Dächern der Häuser umher; man musste ihnfestbinden. Nach einigen Monaten zeigten sich abersfrosse Venen oder Varicen an den Schenkeln, die sichimmer mehr vergrösserten und endlich aufgingen; dadurchwnrde er gesund. Seitdem wurden bis zu seinem fünf-zigsten Jahre jedes Jahr Einschnitte in diese Geschwülstegemacht, um dem Rückfall vorzubeugen. Ohne dies Mit-tel wäre er nicht gesund geblieben. Eine Frau inRom war melancholisch geworden, weil sie einen Manngegen ihre Neigung hatte heirathen müssen. Brassa-vole wendet ohne Erfolg eine Reihe von Mitteln an;endlich nimmt er in Uebereinstimmung mit dem Mannezu einer medicinischen List seine Zuflucht. Er nähertsich ihrem Bette, grüsst sie sehr zärtlich, als wenn sieseine Frau wäre, und will sie küssen. Sie als eine jungekräftige Frau stösst ihn zurück, er wird dringlicher; siereisst ihm das Barelt vom Kopfe. Die ganze gegenwär-tige Gesellschaft fängt über das Schauspiel an zu lachen,und die junge Frau, in der Meinung dass der Arzt, einschon bejahrter Mann, dem sie derartige Gelüste gar nichtzutraute, betrunken sei, lacht ebenfalls aus vollem Halse;von dem Augenblicke an begann ihre Melancholie zuweichen

Bei der Erzählung dieser Fälle ist es sehr zuschätzen, dass die Umstände, die zu einer glücklichenLösung des Wahnsinns beigetragen haben können, dieZufälle, die gegen das Ende der Krankheit eino-etrelensind, genau angegeben und gewürdigt werden.

1580, während in Lothringen eine Menge Scheiter-haufen für Wahnsinnige errichtet wurden, veröffentlichte

11 Simon Go ula rd Tom. 1. p. 76.

2 ) Ttieod. Zwinger üb. 2 , T. 7. Thiätre.T. 1. p. 75.

Goulard 1. c.