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der von der Gewalt des Exorcismus bezwungene Teufel,er wäre ein Seraphim und habe einen Genossen undLegionen von Teufeln als Knechte, er besässe den Kör-per der Nonne schon seit ihrer Geburt, er würde sicnicht verlassen, sondern in die Tiefen der Hölle hinab-ziehen. Alle Nonnen des Klosters waren um Magdaleneversammelt, und sie selbst gestand Alles. Sie genas,und die Knechte der Inquisition führten sie in die Ge-fängnisse des heiligen Gerichts. Sie wurde verurthcilt,sich in ihrem Nonnenhabit, aber ohne Schleier, miteinem Strick um den llals, einem Knebel im Mundeund einer angczündcten Kerze in den Händen, in dieKathedrale von Kordua zu begeben, dann auf einemSchaflott zu erscheinen, das für die Ccremonic ihresAuto da Fe’s errichtet war u. s. w., und ihr Leben ineinem Kloster ausser der Stadt zuzubringen 1 ).
Magdalene a Cruce scheint eine der Ersten zu sein,die schon den ganzen Komplex der nervösen Erschei-nungen der Hysterodämonopathie darbietet: Erscheinun-gen, die später in den Nonnenklöstern eine epidemischeVerbreitung zeigten. Erst in dem Augenblicke, alsMagdalene, die man sterbend glaubte, die letzte Oelungempfangen soll, versetzt sie die Annäherung des Sakra-ments in Zuckungen. Die Erscheinung wiederholt sichöfter, dass im Augenblick der Beichte heftige nervöseKrisen eintreten. Magdalene hat seit ihrer frühestenJugend llallucinationen, die sie lange Jahre hindurchzu verbergen weiss, die, anstatt ihr zu schaden, nurdazu beitragen, ihren Ruf als Heilige zu erhöhen. Diegeschlechtlichen Sensationen spielten, wie in den mei-sten Fällen von Hysterie, auch bei Magdalene einegrosse Rolle 5 sie bildeten sich von Illusionen des Ge-fühls zu Illusionen des Gesichts und Gehörs fort; siesah und hörte ihren buhlerischen Geliebten. In ihrer
1) Lloreilte, Histoire critique etc. Tom. 2. p. 103. — Wieri,l>e praest. Lib. VI. cap. VI. — Del Bio, Disipüsit. mag.Lib. VI. p. 484.