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Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
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97
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t ohne die Stimme des Richters zu hören, weil ihr derTeufel das tiefste Stillschweigen anbefoltlcn hatte; als ihrdie Heftigkeit des Schmerzes das Gehör wiedergab mulsie anfing, ihre Geständnisse abzulegen, bedrohte sie derr Teufel mit dem Tode, so dass sie die Richter flehentlich' bat, sie niemals und besonders in der Nacht, allein zulassen. Anna Morelie und einige Andere versicherten,j* der Teufel habe sich bis zum Ende der peinlichen Frage. neben ihnen aufgehalten, sie hätten seine Stimme sodeutlich vernommen, als wenn er in ihrem Ohre gesessenhätte. Alexia Belhorc begann die Erzählung ihrer Ge-schichte mit einem frommen Gebete. Plötzlich stürzt siehinten über, man hält sie für todt;seht ihr denn nicht,ruft sie aus, als sie wieder zu sich kommt, dass derTeufel mich erschreckt hat, dass er sich hier unter die-sem Geräthe verbirgt ? So eben hat er meinen Hals zu-sammengeschnürt, als wenn er mich erwürgen wollte, undnun sieht er mich drohend an, dass ich seine Geheimnissenicht verrathen soll; als ich auf der Folter lag, hat ermir den Daumen ins linke Ohr gesteckt und mich ermahnt,niuthig Widerstand zu leisten.

Man sieht, dass die Dämonomanen in Lothringenfortwährend von Sensationen und Bildern heimgesuchtwurden, die sie in der Ueberzcugung bestärkten, derTeufel verlasse sie niemals; ihre Phantasie variirte dieBilder nach der Lage, in der sie sich jedesmal befanden;in der Gefangenschaft nahmen die Bilder den düsterstenCharakter an. Remigius macht schon die Bemerkung,dass die Dämonomanie sich gewöhnlich in denselben Familienfortpflanze; er hat sehr oft junge Kinder an dem Schei-terhaufen, auf dem ihre Eltern verbrannt wurden, aus-Speitschen lassen, aber trotzdem, meint er, behielt siejder Teufel in seinen Schlingen. Oft genug legen die Kin-Ider Zeugniss gegen ihre eignen Eltern ab. Nicole Mo-relc sagt aus, sie sei noch nicht mannbar gewesen, alssic ihr eigner Vater schon zu einer nächtlichen Versamm-lung der Teufel geführt habe; sie habe dann die Lieb-kosungen eines Dämons geduldet, der aber sehr schwer

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