98
wie ein Marmorblock auf ihr gelastet. Mütter gestehen,dass sie keinen andern Ausweg vor den Zudringlichkei-ten des Teufels gewusst, als ihre Kinder ihm als Beutezu überliefern. Eine Menge der von Remigius ange-führten Thatsacken zeigen, wie sehr die geistige Verir-rung der Eltern auf die psychische Entwickelung derKinder Einfluss gehabt habe.
In den Geständnissen der Angeklagten kommen auchdie früher schon erwähnten Ilexensalben und Gifte wiedervor l 2 ). Anna Rulfe wollte mit einer Andern zusammeneinen Leichnam unter den Dielen einer Kirche hervorge-scharrt, ihn verbrannt und das Pulver als Gift gebrauchthaben. Katharine Mathe fügt zu ihren Giften Alant {ImdaHelenium Feigbohnen, Farrnkraut, Russ und Ochscngalle.Brice verkocht den Körper eines Kindes zu Salbe undbedient sich der Asche von den nachher verbranntenKnochen, um die Bäume unfruchtbar zu machen etc. An-dere klagen sich an, die Häuser ihrer Nachbarn angezün-det zu haben. —
12. Tcufclsanbctung und Lykanthropie herrschenepidemisch im Jura. (1598—1600.) a )
Im fünften Jahrhundert hatten zwei heilige Männer,Bruder Romanus und Lupicinus, in der Mitte des Gebir-ges eine Abtei gegründet, und ihr den Namen Cor dal ebcigclegt; später hiess sie St. Ogant, dann St. Claude.Sie lag in der Nähe von Ferncy. — Die Einwohner vonSt. Claude lebten in der grössten Abhängigkeit von derAbtei; sie waren blutarm, und der Handel mit Käse undhölzernen Geräthcn war ihre Haupterwerbsquelle. —Gegen das Ende des sechszehnten Jahrhunderts griff dieDämonomanie unter diesen von Noth und Elend abgemär-gelten Menschen um sich. Boguet legte als Richter in
1) cf. s. 65.
2) Boguet, Disconrs des sorciers etc. Cu vol. in 8 n . 1603—1610.—<Voltaire, Oeuvres comptetes , ed. de II a u d o u i u , Tom. 30.