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Mer Verfolgung dieser Unglücklichen einen solchen Eiferan den Tag, dass er, nach Voltaire’s Aussagen, amEnde seiner Wirksamkeit sich rühmen konnte, mehr alsGOOLykanthropen oder Dämonomanen umgebracht zu ha-ben. Nach Boguct genügt eine einzige Anklage, umeinen Zauberer gefangen zu nehmen; man soll ihn dannin einen finstern Kerker werfen und auf die Torturspannen, die man bis drei Mal wiederholen kann, wenner nicht gestellt. Der Vater kann gegen den Sohn zeu-gen, der Sohn wider den Vater; selbst das Zeugnissder Verbrecher ist zulässig. Die Aussagen der kleinenKinder sind besonders wichtig, weil die Zauberer ihreKinder dem Teufel darzubringen pflegen. Die Lykanthro-pen müssen lebendig verbrannt werden, die gewöhnlichenZauberer sind zu erdrosseln und nach dem Tode zu ver-brennen. Auch die kleinen Zauberer sind zu tödten; dieUnerfahrenheit ihres Alters ist kein Entschuldigungsgrund,denn man tödtet auch die schädlichen Thiere; aus beson-derer Gnade kann man sie blos erwürgen.
Die rührendsten Sccnen machen auf Boguct garkeinen Eindruck. Er erzählt, wie ein Knabe von zwölfJahren Peter Uvillermoz über seinen Vater aussagte, erhabe ihn zum Hexensabbat geführt und ihm gerathen,sich dem Teufel zu ergeben. Es sei bejannnernswerthgewesen, wie der Vater seinem Sohn gegenüber geweintund geklagt, dass er sie Beide ins Verderben stürze,wie er aber doch seinem Sohne mit zärtlichem Tone ver-sichert, er solle thun, was er wolle, er würde ihn dochnoch immer für sein Kind halten. Der Knabe aber bliebfest bei seiner Aussage stehen, und das sei, meint Bo-guct, die gerechte Fügung Gottes, die nicht zulassc,dass ein so verabscheuungswürdiges Verbrechen, wiedasder Zauberei, verborgen bleibe, und die den Sohn gegendas Gefühl des Blutes unempfindlich mache 1 ). Der un-glückliche Vater starb vor der Verurtheilung im Gefäng-nisse. Man kann die Zauberei nach Boguet voraussetzen,
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1) Boguet p. 175.