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das innere Triebwerk in Bewegung setzen. Die heiligeSchrift und historische Traditionen sprechen von Besesse-nen in der alten Zeit; es ist auch jetzt an ihrer Wirk-lichkeit nicht zu zweifeln. Auch jener komatöse Schlaf,während dessen die Zauberer grosse Reisen durch dieLüfte zu macheu glauben, tanzen und wollüstig sind u.s.w.,ist dem Einfluss der Dämonen zuzuschreiben. Die vonDämonen herrührenden funktionellen Störungen dürfennicht durch gewöhnliehe therapeutische Mittel bekämpftwerden; die Theologen müssen die Dämonen, durch Ge-bete scheuchen x ).
Die grossen Verdienste, welche Charles Lepoissich um die Pathologie der Gchirnkrankhciteu erworbenhat, auf die aufmerksam zu machen Boerhave Vorbe-halten blieb, zeigen sich besonders in den Kapiteln, woer über die konvulsiven Erscheinungen der Hysterie han-delt, die er mit der Epilepsie in Zusammenhang bringt.Die verschiedenen Zustände des Muskelsystems, die Stö-rungen der Sinne, der intellektuellen und affektiven Thä-tigkeiten werden mit grosser Genauigkeit beschrieben.Mit grosser Bestimmtheit wird der Satz hingestellt, dassalle funktionellen Störungen bei der konvulsiven Hysterienur von einem krankhaften Zustande des Gehirns abhän-gen können, weil das Gehirn zu gleicher Zeit das Central-organ der Motilität, der Sensibilität und der Denkt hätig-keit ist. Bei dieser Ansicht kann an die Besessenheitgar nicht mehr gedacht werden; sie beantwortet zugleichdie Frage, dass die Männer ebenso gut wie die Frauenvon hysterischen Konvulsionen befallen werden können,dass es nicht blos die Geschlechtsorgane bei den Frauenseien, welche der Sitz der hysterischen Zufälle sind.Car. Piso hat versucht, an den Leichen die Existenz derAlterationen nachzuweisen, welche Störungen der Inner-vation hervorbringen a ).
15 K. Plateri etc. Praxeos niedicae. Tom. 1. Kdit. in 1°. Bas.1736., besonders die Kii|iitcl: Oe mentis imbecillitatc, de men—tis consicriiatioue und de mentis alienalione.
2) Caroli Pisouis etc. Liber singnlaris etc. Ed. Herrn. Bocr-liave. 1768.