Buch 
Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
Entstehung
Seite
124
JPEG-Download
 

124

behandelt, der bald lachte, bald in der höchsten Aufrco'un« 1deh Zornes sich befand. Das Bild des geliebten Gegen-Standes war stets an seiner Seite, und er richtet zärt-liche Worte an dasselbe; da der Schatten aber nicht ant-wortete, so wurde er wüthend. Er war nahe daran, sichdas Leben zu nehmen. Nach sechs Monaten wurde ergeheilt.

Die Manie ist eine Störung der Einbildung und desDenkens mit Zorn oder Wuth; der Maniacus ist ganzohne Furcht, und stürzt sich, ohne an seine Sclbslerhal-tung zu denken, auf den Ersten Besten, der ihm ent-gegentritt. In seiner Wuth gleicht er oft einem wildenThiere; er bietet den vollständigen Typus der Unvernunftdar. Manche simuliren eine vernünftige Ruhe, ihre Wortesind sanft und schmeichelnd, plözlich aber stürzen sie sichauf die Unvorsichtigen, die sich ihnen nähern, und suchensie zu verwunden. Ihr Gedächtniss ist selten geschwächt,und nach ihrer Heilung wissen sie gewöhnlich, was wäh-rend ihrer Krankheit vorgegangen ist. Unglücklicher-weise verliert sich Sennert bei Erklärung der innernUrsachen des Wahnsinns in rein theoretische Auseinander-setzungen, doch verlegt er wenigstens den Sitz desWahnsinns ins Gehirn und weist die Einwirkung über-natürlicher Ursachen wenigstens für die Mehrzahl der Fällezurück. Eine Art von Ecstase wird nach ihm durch dia-bolische Einflüsse erzeugt; die Zauberer können wirklichdurch die Luft fliegen; manche Lykanthropen haben wirk-lich die Form eines Wolfes, weil sie der Teufel mit einerDecke überzieht, welche die hellsehendsten Menschentäuscht; die so verkleideten Lykanthropen tödten Thiereund verzehren ihr Fleisch, wie die Wölfe 1 ).

F. Sylvius Delcboe beginnt seine Darstellungder Gehirnpathologie mit der Betrachtung der Apparateund Oro;ane, welche im normalen Zustande die Funktionender Innervation vermitteln. Von dem Studium der Sinne,der sensitiven Apparate, die zur Perception der rein

1) Scniierti Opera. Toni. 2. p. 393 ct sqq.