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physischen Erschütterungen bestimmt sind, schreitet erzu den Thätigkeitsäusscrungcu der Nervencentra in^ Schä-del, und behandelt die Thätigkcit der Intelligenz, danndie Affektionen der Seele, und endlich die willkührlichcnBewegungen. Er nimmt an, dass im Gehirn ein sehr feinesAgens erzeugt wird, das ein Mittelglied zwischen demKörper und der Seele darstellt, sich in die feinsten Ner-venfasern verbreitet, und nach seiner Idee etwas demelektrischen Fluidum Analoges darstellcn soll. Bei denkrankhaften Erscheinungen fängt Sylvius sehr richtigmit den einfachen Elementarstörungen an; er betrachtetden Schmerz, die Sinncsstörungen, Wärme-Empfindung,Schlaf, Störungen der Einbildung, des Denkens, des Ur-theils,des Gedächtnisses,die Leidenschaften nacheinander 1 ).— Schon als krankhaft ist der Zustand mancher stupidenMenschen zu bezeichnen, die zu jedem Räsonnement un-fähig sind, und Ursache und Wirkung nicht zu trennenvermögen. Diese Stupidität kann angeboren sein, odersie folgt accidentell auf eine komatöse Affektion oder einenheftigen uud lange andauernden Aerger. Die angeborneStupidität heilt fast niemals; die erworbene sehr schwer,sie muss durch Stimulantia behandelt werden; auch mussman die Intelligenz beschränkter Menschen aufzurüttelnversuchen; sie müssen vor allen Dingen ihre Sinne übenund sich erst über die physische Welt richtige Begriffeverschaffen. — Es ist wahrscheinlich, dass ein angebornerFehler der Denkthätigkeit eher an einer fehlerhaftenStruktur des Gehirns liege, als an einem Fehler der Seele;doch ist es schwer, in einem solchen Gegenstände klarzu sehen.
Ein Mensch dclirirt, wenn er wegen mangelnderAufmerksamkeit das Falsche mit dem Wahren verwech-selt, und sich von seiner Einbildung oder von seinemGeiste oder von beiden zugleich täuschen lässt, wenner aus falschen Ideen falsche Konsequenzen zieht. —
J) Fr. Sylvii Dole hoc Opera meilioa etc. In 4°. 1677. p. 392et sqq.